Ein Blick in unsere Archive

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In Connaissance du Vin (1970) erzählt Constant Bourquin, Gründer von DIVO und Förderer authentischer Weine, von seiner persönlichen Einführung in die Welt des Weins. Der Genfer Literat gesteht, lange Zeit Wein getrunken zu haben, ohne ihn wirklich zu schätzen, und sich dabei eher von Preisen und Reputation als von den eigenen Sinnen leiten gelassen zu haben. 

Ein Zufall verändert alles: Die Begegnung mit Dr. Paul Ramain, einem grossen Weinkenner, öffnet ihm die Augen. Bei der Degustation echter Burgunder entdeckt er, was einen grossen Wein ausmacht, und erkennt, dass nicht das Etikett über die Qualität entscheidet.

Aus dieser Erfahrung zieht Bourquin eine klare Überzeugung: Weinkenntnis ist kein Privileg einer Elite. Jeder aufrichtige Weinliebhaber kann, mit Neugier und eigener Erfahrung, lernen, echten Wein zu verstehen, fern von Dogmen und Snobismus. Ein Ideal, das ihn sein ganzes Leben begleitet hat, von DIVO bis zur Académie Internationale du Vin.

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Degustieren dient nicht dazu, zu glänzen sondern zu verstehen, was man trinkt.

Werfen wir einen Blick in unser Archiv vom 19. November 1985: ein Artikel von Constant Bourquin, Gründer von DIVO und weinbegeisterter Autor, der sein Leben einer anspruchsvollen, ehrlichen und zugleich zugänglichen Vermittlung des Weins widmete. In diesem Auszug aus Connaissance du Vin erinnert er eindrücklich daran, dass Degustation kein Stilmittel für Eingeweihte ist. Sie soll weder beeindrucken noch Wein zu einem gelehrten Ratespiel machen. Ihr Zweck ist es vielmehr, den Wein im Glas klarer und bewusster zu verstehen.

Für Constant Bourquin bedeutet Weindegustation, Gleichgewicht, Authentizität und Herkunft eines Weins zu erkennen. Es geht darum, einen gesunden Wein von einem künstlich beeinflussten zu unterscheiden, einen lebendigen Wein von einem überkorrigierten, natürlichen Genuss von inszenierter Wirkung. Sein Blick ist manchmal scharf, oft pointiert, aber stets von derselben Überzeugung geprägt: den Wein in seiner Echtheit zu verteidigen.

Er misstraut jenen Degustatoren, die vor allem glänzen wollen denen, die jedes Aroma benennen oder jede Herkunft erraten möchten. Für ihn liegt das Wesentliche anderswo. Ein guter Weinliebhaber muss nicht alles wissen, sondern lernen zu fühlen, zu vergleichen, zu erinnern und seinen Gaumen frei von allzu perfekt formulierten Diskursen zu halten.

Aus diesem Text spricht eine ganze Philosophie des Weins: aufmerksame Degustation ohne Überheblichkeit, Genuss ohne Verlust an Authentizität. Letztlich ist es eine Einladung, bewusster zu trinken und Wein mit mehr Aufmerksamkeit zu erleben.

Bei DIVO lebt diese Haltung bis heute weiter: Wein ist weit mehr als Etikette, Alkoholgehalt oder Aromaliste. Er erzählt von Herkunft, Handwerk, Jahrgang und Balance. Und um ihn wirklich zu verstehen, genügt es oft, zum Wesentlichen zurückzukehren: sehen, riechen, schmecken und begreifen.

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Ein grosser Wein entsteht dort, wo die Rebe leidet.

Werfen wir einen Blick in dieses Archiv vom Oktober 1990: ein Text von Constant Bourquin, Gründer von DIVO und unermüdlicher Verfechter des authentischen Weins, entnommen aus seinem Werk Connaissance du Vin. Ein Mann, dessen Feder 35 Jahre später noch immer von erstaunlicher Direktheit ist.

In diesem Kapitel geht Bourquin von einer unbequemen Überzeugung aus: Qualität entsteht nicht aus Überfluss, sondern aus Begrenzung. Die Rebe muss leiden, um ihr Bestes zu geben. Karge Böden, Trockenheit, Kälte, in der Schwierigkeit formen sich die grossen Crus. Grosszügige, gut bewässerte, sonnenverwöhnte Böden bringen nur durchschnittliche Weine hervor. Eine Wahrheit, die er ohne Umwege ausspricht und die die anspruchsvollsten Winzer bis heute weitertragen. 

Doch dieser Anspruch endet nicht in der Parzelle. Er setzt sich im Keller fort. Ein natürlicher Wein wird nicht gemacht, er wird bewahrt. Das verlangt eine präzise, ehrliche Önologie im Dienst der Traube. Und vor allem die Kraft, den einfachen Lösungen zu widerstehen, übermässige Chaptalisation, Manipulation des Mostes, künstliche Korrekturen, die einen Wein glätten, bis er seine Seele verliert. Einen Wein künstlich anzureichern, heisst, das zu verraten, was er hätte sein können.

Für Bourquin ist der ideale Winzer nicht jener, der die Natur korrigiert, sondern jener, der die Bedingungen schafft, damit sie sich vollständig ausdrücken kann. Ein Handwerker des Zurücktretens, dessen Talent sich daran misst, was er nicht tun musste.

Diesen anspruchsvollen Blick richtet er auch auf die Önologie seiner Zeit. Er würdigt die wissenschaftlichen Fortschritte von Ribéreau-Gayon und Peynaud, warnt jedoch zugleich: Eine Wissenschaft des Weins, die den Wein vergisst, ist keine Wissenschaft mehr, sondern eine Industrie. Und er geht noch weiter: Der Konsument, sagt er, hat das Recht zu wissen, was sich in seinem Glas befindet. Eine Forderung, die bereits 1990 richtig klang und die Europa erst 2023 verpflichtend gemacht hat. 

Durch diesen Text zeichnet sich eine ganze Philosophie ab. Qualität ist kein Ergebnis, das man einfach erreicht. Sie ist eine Richtung, für die man sich entscheidet, bei jedem Schritt, von der Rebe bis zur Flasche. Ein ruhiger, beständiger, kompromissloser Anspruch.

Bei DIVO hat diese Überzeugung unseren Blick auf den Wein nie verlassen. Was Bourquin 1990 verteidigte, suchen wir bis heute in jedem Glas: nicht technische Perfektion, sondern die Authentizität eines Weins, der ehrlich erzählt, was er ist.

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