Theiler Vini - Ralph Theiler: Ein Appenzeller im Tessin

Bei Ralph Theiler sind keine architektonischen, sondern ausschliesslich vinöse Höhenflüge zu erwarten. Der Keller in Cademario, den wir über eine steile, unglaublich kurvige Strasse erreichen, stets hoffend, es komme uns niemand entgegen, ist eine bessere Garage, in zwei schmucklose Räume unterteilt. Hier vinifiziert Senkrechtstarter Ralph Theiler seine Tropfen und frönt ungehemmt seiner Freude am Wein. Der Keller ist schnell besichtigt, die Barriques werden auswärts im Untergeschoss eines ehemaligen Restaurants gelagert.

Heroischer Weinbau in steilen Ronchi

So fahren wir zusammen mit dem ursprünglich aus der Deutschschweiz stammenden Winzer gleich wieder ein Stück die halsbrecherische Strasse hinunter, bald rechts abbiegend, durch bukolisch anmutende Rebberge holpernd und mit Blick auf den im sommerlichen Dunst liegenden Luganersee. Direkt neben den Rebbergen der berühmten Cantina Monti stehen Ralph Theilers Reben – zumindest ein Teil davon. «Ich bewirtschafte gegen fünf Hektar Reben, unterteilt in 16 verschiedene Parzellen im Malcantone und Luganese, genauer in Croglio, Bombinasco, Cademario, Bosco Luganese, Bioggio, Medeglia, Bironico und Origlio. Fast alle sind gepachtet.» Die Reben in Cademario, mit 6000 Quadratmetern eine der grössten Parzellen, wachsen wie überall hier an schwindelerregend steilen Hängen. Diese Ronchi, auf deren schmalen Terrässchen sich wie auf Stufen Rebzeile über Rebzeile erhebt, wirken mit ihrer üppigen Vegetation wie ein Garten Eden. Überall setzen blühende Blumen leuchtende Farbtupfer ins hohe Gras, von Schmetterlingen und anderen Insekten umschwirrt. «Die Biodiversität bei Fauna und Flora ist hier sehr gross, obwohl wir hochkonventionell arbeiten», bemerkt Ralph zufrieden. «Es ist absolut undenkbar, die Rebarbeiten in diesen Hägen zu mechanisieren, deshalb haben wir keinerlei Bodenverdichtung. Wir spritzen getreu der IP-Philosophie so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich.»

Die Reben sind mit Hagelnetzen geschützt, «ohne kann man es vergessen, hier Weinbau betreiben zu wollen. Man weiss nämlich nie, ob die häufigen Gewitter nur Regen oder Hagel bringen…» Zudem bieten die Netze auch Schutz vor der gefrässigen Fauna, sprich den Wildschweinen, Dachsen und Rehen, die in den nahen Wäldern leben. Die Pflanzdichte beträgt rund 4000 Stöcke pro Hektar, der Ertrag ist von Natur aus gering, rund 300 bis 500 Gramm pro Quadratmeter. Die Reben wachsen hier auf 400 bis 600 m Höhe, einiges unter dem Dorf also, das auf 800 m liegt. «Wenn die obersten Reben noch blühen, sind bei den untersten die Trauben schon erbsen­gross – das erlaubt es uns, die Arbeiten zu staffeln. Was wir hier machen, wird viticolutura eroica genannt», lacht er: heroischer Weinbau also. Zumindest einiges an Kondition und sportlichem Ehrgeiz verlangen die steilen Rebberge in der Tat.

Der Traum vom eigenen Wein

Dass es Ralph Theiler, den Appenzeller («Appenzell Innerrhoden», präzisiert er), ins Tessin verschlagen hat, ist übrigens Zufall. Oder Schicksal. Zarte zwölf Jahre alt war er, als seine Eltern mit ihm ins Tessin zogen. «Ich konnte zu wenig gut Italienisch, um ins Gymi zu gehen», erzählt er, deshalb hat er sich in Wädenswil zum Weintechnologen ausbilden lassen. «Und es nie bereut», wie er betont. «Heute kann ich mir gar nichts anderes mehr vorstellen. Und wohin ich auch komme, schaue ich mir die Rebberge und die Weinkeller an…»

Dr José Vouillamoz notant attentivement les explications de Ralph Theiler sur ses vignes de Cademario.
Dr. José Vouillamoz lauscht interessiert den Erklärungen von Ralph Theiler, mitten in dessen Rebberg in Cademario.

Ein Angefressener also. Nach seiner Ausbildung arbeitete er als Kellermeister bei der Cantina Giubiasco, in der Weinkellerei des ehrwürdigen Klosters Einsiedeln und in der Tenuta Pian Marnino. Daneben baute er sich Parzelle für Parzelle seinen eigenen Betrieb auf und verwirklichte seinen Traum. Schnell machte er mit seinen Weinen auf sich aufmerksam. Allen voran mit seinem Gioia d’autunno, einem klassischen, zur Hälfte im Stahltank, zur Hälfte in gebrauchten 300-Liter-Barriques ausgebauten Merlot, der durch seine komplexe Nase, gute, dichte Struktur und saftige Eleganz besticht. Interessant der ganz ohne Zusatz von Sulfiten produzierte Merlot Fundamentum. Er wird mit einer revolutionären neuen Methode namens Purovino zwölf Stunden lang mit Ozon behandelt, was dem Wein mehr Tannin verleiht und ihn vor allem vor dem Oxydieren schützt. «Wir sind erst die zweite Kellerei in der Schweiz, die dieses Verfahren anwendet.» Das Paradestück im Sortiment ist der neuerdings Corifeo geheissene, 16 Monate lang in zur Hälfte neuem Holz verfeinerte Merlot Barrique, ein kompakter, finessenreicher Wein aus einem Guss mit grossem Alterungspotential. Womit (einmal mehr) bewiesen wäre: Es braucht nicht a priori einen Vorzeigekeller, um Weinkoriphäen zu keltern...

Tipp von Ralph Theiler

Grotto Zotta
Fiorenzo Macconi
Via Cademario 37
6934 Bioggio


Osteria Oxalis
via Arch. A Da Ponte
6946 Ponte Capriasca