Tessin – Sopraceneri und Sottoceneri

Terroir

In den Lepontinischen Alpen gelegen, wird das Tessin in zwei durch den Monte Ceneri, der über Lago Maggiore und Luganersee thront, getrennte Weinregionen unterteilt: Sopraceneri (sopra = oben) und Sottoceneri (sotto = unten). Gemäss der Statistik von 2019 umfasst das Tessin, zu dem auch das Misox (Mesolcina) im italienischsprachigen Teil Graubündens gezählt wird, 1125 ha. Sie werden im Schnitt jährlich 2170 Stunden lang von der Sonne beschienen (gegenüber 1693 in Zürich), verzeichnen aber auch die höchsten Niederschläge des ganzen Landes. Weinbau im Tessin gestaltet sich oft schwierig: Ein Drittel der Reben wächst am Steilhang, Hagelschläge sind häufig, der Druck durch Pilzkrankheiten, begünstigt durch das feuchte Klima, gross. Die Rebberge sind stark zerstückelt und gehören zahlreichen Besitzern, die ihre Ernte mehrheitlich an grosse Weinhäuser oder die einzige Tessiner Kooperative liefern.

Der König im Tessin ist der Merlot! Diese Bordelaiser Rebsorte wächst auf 868 ha (Zahlen von 2019), was 73,5% der Schweizer Merlotfläche entspricht und 80% der gesamten Rebfläche des Tessins. 20 bis 25% der Tessiner Merlottrauben werden weiss abgepresst, für den berühmten Bianco di Merlot Ticino DOC.

Die Tessiner Appellationen

Die kontrollierten Herkunftsbezeichnungen – italienisch DOC (Denominazione di Origine Controllata) – wurden 1997 im Tessin eingeführt. Auf den Etiketten kann man nebst weiteren Informationen die Namen Ticino, Rosso del Ticino, Bianco del Ticino, Rosato del Ticino oder das Adjektiv Ticinese finden, ergänzt durch die Region, Gemeinde usw. Die Erträge sind begrenzt auf 1 kg/m2 für die roten und auf 1,2 kg/m2 für die weissen Sorten. Autorisiert sind nur 20 Sorten, zehn weisse und zehn rote. (Siehe Ergänzung)

In den Tessiner DOC autorisierte Rebsorten

Weisse Sorten – Chardonnay, Chasselas, Doral, Kerner, Müller-Thurgau, Pinot Blanc, Pinot Gris, Sauvignon Blanc, Sémillon, Viognier.
Rote Sorten – Bondola, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Carminoir, Diolinoir, Gamaret, Garanoir, Merlot, Pinot Noir, Syrah.

Reinsortige Weine müssen zu mindestens 90% aus der betreffenden Rebsorte bestehen. Jahrgangsverschnitt ist auf 15% limitiert. Die Bezeichnung Riserva setzt für Weissweine einen Ausbau von mindestens zwölf, für Rotweine von 18 Monaten voraus.

Nach italienischem Vorbild wurden neben den DOC noch weitere Kategorien geschaffen:

 

  • IGT – Indicazione Geografica Tipica: sämtliche Rebsorten, welche die Ertragslimiten respektieren (1,6 kg/m2 für rote, 1,8 kg/m2 für weisse)
  • IGT Nostrano: alle europäischen, nicht-hybriden Rebsorten, welche die Ertragslimiten respektieren. Hybriden, Kreuzungen zwischen europäischen (Vitis vinifera L.) und anderen, vor allem amerikanischen (Vitis sp.) Reben, sind noch sehr verbreitet im Tessin. Oft wird aus ihnen der sogenannte «Nostrano» (= der Unsrige) gekeltert.
  • VDT – Vino da Tavola: alle Rebsorten, ohne Ertragslimite.