Lüthi Weinbau: Zürichseestimmung in Flaschen

Die zauberhaften, stets wechselnden Stimmungen am Zürichsee in Flaschen einfangen? Ein hoch gestecktes Ziel! Doch genau das will Rico Lüthi. Als Bub, in der Nähe von Solothurn aufgewachsen, träumte er davon, Helikopterpilot zu werden. Oder Förster. «Als ich mit 13 bei der Weinlese in Morges helfen durfte, wusste ich sofort: Das ist es! Das will ich machen!» Nicht ganz einfach, wenn man nicht aus einer Winzerfamilie stammt. So arbeitete Rico nach der Winzerlehre unter anderem auf Schloss Salenegg in der Bündner Herrschaft und auf dem thurgauischen Schlossgut Bachtobel beim legendären Hansueli Kesselring.

Aus dem Nichts aufgebaut

«Doch ich habe schon immer davon geträumt, selbständig zu sein», erzählt Rico, «das war hart am Anfang, denn ich habe buchstäblich bei null angefangen. Und ich besitze bis heute nichts, ausser einem Hektar Reben – allerdings ohne den Boden…» Seit mittlerweile 22 Jahren bewirtschaftet er zusammen mit seiner Frau Susan zwei Hektar Reben am Zürichsee, in den Lagen Ueriker Risi, am Püntacher sowie in der Sternenhalde und am Lattenberg. Die Reben sind allesamt gepachtet und liegen an steilen Hängen, die enorm viel Handarbeit verlangen. Und der Keller? Rico lacht. Er ist Teil der berühmten Keller-WG, die bei Schwarzenbachs in Meilen eingemietet ist. Der topmoderne Keller bietet alles, was er braucht. Hier vinifiziert er seine Weine, baut sie aus und füllt sie ab.

Rico Lüthi und Dr. José Vouillamoz ziehen ihre Kopfbedeckungen vor dem berühmten Rebberg Sternenhalde in Stäfa, am Zürichsee.
Rico Lüthi und Dr. José Vouillamoz ziehen ihre Kopfbedeckungen vor dem berühmten Rebberg Sternenhalde in Stäfa, am Zürichsee.

 

Kompromisslose Qualität

«Nein, wir arbeiten nicht biologisch», erzählt er, «bei durchschnittlich 1600 mm Niederschlag pro Jahr am Zürichsee wäre das eine allzu grosse Herausforderung.» Sortentypische, ausdrucksvolle und unverfälschte Weine ohne jegliche Zusatzstoffe, entstanden im Einklang mit der Natur, nach den Regeln der Integrierten Produktion und geprägt vom jeweiligen Jahrgang, das ist das Ziel von Rico Lüthi. «Die Natur im Rebberg bereitet uns so manche Überraschung – und so dürfen uns auch die Weine verblüffen.» Den Weinen Zeit lassen, das ist ein wichtiger Grundsatz. «Bei der Qualität und bei der Hefe mache ich keine Kompromisse.» Bei den Hefen setzt Rico Lüthi ausschliesslich auf die Hefe, die aus einer Räuschlingflasche des Jahrgangs 1895 der Familie Schwarzenbach extrahiert wurde. «Diese Hefe vollbringt kleine Wunder…», schmunzelt er.

Machen wir die Probe aufs Exempel! Wunderbar saftig und zitrusfruchtig etwa der Riesling × Madeleine Royale (alias Müller-Thurgau), im Inoxstahltank und ohne Säureabbau zum idealen Sommerwein ausgebaut. Der Stolz eines rechten Zürichseewinzers ist natürlich sein Räuschling. Das ist auch bei Rico Lüthi nicht anders. Sein Räuschling 2019 präsentiert sich in der Nase noch etwas verhalten, aber überraschend füllig im Gaumen, mit fast exotischen Anklängen. Der Räuschling R3 2019, das Freundschaftsprojekt mit den Schwarzenbachs und Monica Hasler vom Weingut Rütihof, ist schon deutlich offener, floral, im Gaumen elegant, dicht und saftig. Ein lagerfähiger Wein von schöner Harmonie und mit vielschichtiger Aromatik. «Ein guter Wein muss altern können», findet Rico Lüthi. «Deshalb lassen wir unseren Weinen auch viel Zeit. Oft sind sie anfangs etwas verschlossen und entfalten sich erst nach einigen Monaten oder Jahren der Lagerung.» So auch der Pinot Noir, der immer mehr zu seinem Markenzeichen geworden ist. Und der, zusammen mit dem Räuschling, bereits vier Mal den Swiss Vintage Award gewonnen hat. Angeboten wird er in einer Barriqueversion (der grossartige 2013er ist leider längst ausverkauft!) und als Pinot Noir élevé en fût de chêne, der nach einer zwei- bis dreiwöchigen Kaltmazeration vor der Gärung in 600-, 700- und 800-Liter-Fässern vinifiziert und ausgebaut wird. Das Resultat ist ein frischfruchtiger, sehr charmanter Wein mit üppigem, geschmeidigen Körper, der von eleganten Tanninen getragen wird. Garantiertes Trinkvergnügen!

Eine Hefe, die nach 113 Jahren zu neuem Leben erwacht ist!

2008 fand im Keller der Familie Schwarzenbach in Meilen am Zürichsee eine historische Verkostung statt: eine Räuschling-Vertikaldegustation, die bis 1895 zurückreichte. Der ebenfalls anwesende Professor Jürg Gafner von der Forschungsanstalt Agroscope Wädenswil füllte ein Probefläschchen mit den Hefen, die sich am Boden der Flasche von 1895 gesammelt hatten. Er wollte prüfen, ob sich unter diesen Hefen zufälligerweise noch lebendige, schlafende Hefen befanden. Man mag sich seine Überraschung vorstellen, nachdem er die Kulturen angesetzt und drei wiederauferstandene Hefestämme entdeckt hatte! Einer davon, 1895C getauft, erwies sich als aussergewöhnlich: er verwandelt nicht nur, wie alle Stämme der Saccharomyces cerevisiae, Glukose, sondern auch Fruktose in Alkohol, was sehr selten ist! Diese einzigartige Fertigkeit ermöglicht es, den gesamten Zucker umzuwandeln und einen allfälligen Stopp der Gärung zu vermeiden. Erstmals verwendet wurde dieser Hefestamm für den neuerdings bei DIVO erhältlichen «R3 Räuschling AOC Zürichsee». Diese Spezialcuvée wird von drei Winzern gemeinsam gekeltert, die je einen Drittel der Trauben beisteuern: Lüthi Weinbau, Weinbau Schwarzenbach und Weingut Rütihof. Seither verwenden die drei diese grossartige Hefe auch für andere Rebsorten (Müller-Thurgau, Chardonnay, Pinot Gris, Scheurebe, Pinot Noir usw.), unterstreicht sie doch aufs schönste den Sortencharakter. Das haben auch andere Schweizer (Kopp von der Krone Visini im Tessin, Sankt-Jodern Kellerei im Wallis, Weingut Steiner in Ligerz) und deutsche (Weingut Feuerstein) Weinproduzenten gemerkt. Und kürzlich kam sogar ein Winemaker aus Arizona dazu (Caduceus Cellars), dank Vermittlung durch den Unterzeichnenden… • Dr. José Vouillamoz

Tipp von Rico Lüthi

Gasthof zur Sonne
Seestrasse 37
8712 Stäfa

Wirtschaft zur Burg
Auf der Burg 15
8706 Meilen

Willkommens-Karton

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