Familiengeschichten: Syrah, Viognier und Mondeuse Noire

Die Syrah, heute bestens bekannt und weltweit kultiviert (auf 185 000 ha), war lange Zeit auf das Rhonetal beschränkt, vornehmlich auf die berühmten Appel­lationen Hermitage und Côte-Rôtie, wo sie erstmals im Jahr 1781 als «Sira» auftaucht.

Im selben Jahr wurde auch der Viognier erstmals genannt; er stammt sehr wahrscheinlich aus Condrieu im nördlichen Rhonetal. Früher kaum verbreitet und nur in seiner engeren Heimat anzutreffen, hat es der Vio­gnier in letzter Zeit mit Leichtigkeit auf eine weltweite Anbaufläche von 11 400 Hektaren gebracht. Die Mondeuse Noire dagegen ist eine typische Rebsorte aus der Dauphiné. Erstmals erwähnt wurde sie 1845 in der Isère, heute wächst sie auf 306 Hektaren, zur Hauptsache in Savoyen. Die Syrah wurde 1921 in die Schweiz, genauer ins Wallis, eingeführt. Der Viognier kam deutlich später in die Region Genf, während die Mondeuse Noire historisch gesehen seit langem in der Genferseeregion sowie im Wallis angebaut wurde, unter dem wenig schmeichlerischen Namen «Gros Rouge».

L’origine de la Syrah s’entoure d’une multitude de légendes
Um die Herkunft der Syrah ranken sich zahlreiche Legenden

Legenden, die sich um die Herkunft der Syrah ranken

• Am hartnäckigsten hält sich die Legende, wonach die Syrah aus der persischen Stadt Shiraz (im heutigen Iran) stammt, und von wo sie Kreuzfahrer zwischen 1095 und 1291 ins Rhonetal gebracht haben sollen.

• Gewisse Autoren vermuten als Vorfahrin der Syrah die hypothetische Vitis syriaca aus Syrien, die von Plinius dem Älteren erwähnt wird.

• Zur Inselgruppe der Kykladen (Griechenland) gehört auch Syros. Man erzählt, dass die Syrah von dort stammen könnte, obwohl dort bis heute nicht die kleinste Spur nachgewiesen werden konnte.

• Probus (232-282 n. Chr.), der römische Kaiser, der dem französischen Weinbau kräftig unter die Arme griff, indem er das Edikt von Domitian widerrief, nach welchem die Hälfte aller Weinberge ausserhalb Italiens hätte ausgerissen werden müssen, soll die Syrah 281 auf seinem Marsch nach Lyon (Lugdunum) aus Syrakus (Sizilien) mitgebracht haben.

Dank DNA-Tests wissen wir heute, dass all diese Legenden falsch sind.

Allobrogica

Die Allobrogica war angeblich eine Rebsorte aus dem Reich der Allobroger, erstmals erwähnt im 1. Jh. n. Chr. Aus ihr wurde der «picatum» (geteert) genannte Wein gekeltert, wahrscheinlich in Anlehnung an den Pechgeschmack, den der Wein von den Fässern oder Krügen bekam, die zum Schutz vor Oxydation im Inneren mit Pech ausgestrichen wurden. Dieser Wein war in der Umgebung von Vienne (im Süden von Lyon) ausgesprochen renommiert – in einer Region also, die mehr oder weniger mit der heutigen Appellation Côte-Rôtie zusammenfällt. Zahl­reiche Autoren haben deshalb die Allo­brogica mit der Mondeuse Noire oder der Syrah gleichgesetzt, denn die Verbreitung dieser beiden Sorten im 19. Jahrhundert stimmte perfekt mit der Anbauzone der Allobrogica überein.

Es scheint jedoch, dass die Allobrogica in der römischen Epoche aus einer Population von «Proto-Mondeuses» bestand, die in der Folge Mondeuse Noire und Syrah hervorbrachten. Plinius der Ältere präzisierte in der Tat, dass die dunklen Trauben der Allobrogica beim ersten Frost reifen und ihre Qualitäten beim Abwandern verlieren. Diese späte Reife findet sich sowohl bei der Mondeuse Noire als auch bei der Syrah.

Die Syrah geht etymologisch sehr wahrscheinlich auf den indogermanischen Stamm «ser-» zurück, was lange Dauer bedeutet und zum lateinischen «serus» (= spät) geführt hat. Denselben Stamm findet man auch im Namen «Sérine» wieder, einem der ältesten Synonyme für Syrah.

DNA: der Stammbaum der Syrah

Der 1998 durchgeführte Vaterschaftstest ermöglichte den Forschern von Montpellier (Frankreich) und Davis (Kalifornien) die verblüffende Entdeckung der Eltern der Sorte Syrah: Demnach ist die Syrah eine natürliche Kreuzung zwischen Mondeuse Blanche und Dureza. Die Mondeuse Blanche, heute noch auf kümmerlichen fünf Hektaren in Savoyen angebaut und keine Farbmutation der Mondeuse Noire, war früher weit verbreitet in den Regionen Ain, Haute-Savoie und Savoie, wo sie auch Dongine oder Savouette genannt wird, was unzweifelhaft für einen savoyardischen Ursprung spricht. Die Dureza ist eine alte Rotweinsorte aus der Ardèche, die früher im Mischsatz mit der Syrah in den Regionen Drôme und Isère kultiviert wurde und von der nur eine Hektare überlebt hat, da und dort in den Weinbergen verstreut. Die natürliche Kreuzung, die zur Geburt der Syrah geführt hat, muss also in einer Weinregion stattgefunden haben, in der ihre beiden Elternteile kultiviert wurden, sehr wahrscheinlich in der Isère.

L’arbre généalogique le plus plausible place la Syrah comme une fille naturelle de la Mondeuse Blanche et de la Dureza, une demi-soeur du Viognier, une petite-fille de la Mondeuse Noire, une nièce du Teroldego et une arrière-petite-fille du Pinot
Der plausibelste Stammbaum sieht die Syrah als natürliche Tochter der Mondeuse Blanche und der Dureza, als Halbschwester des Viognier, als Enkelin der Mondeuse Noire, Nichte des Teroldego und Urenkelin des Pinot

Dank einem ungewöhnlichen probalistischen Ansatz, um die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Rebsorten zu bestimmen, konnte ich 2006 nachweisen, dass die Dureza aus der Ardèche eine Schwester des Teroldego ist, einer alten Rebsorte aus dem nord­italienischen Trentino. Die Syrah ist also nicht nur eine Tochter der Dureza, sondern folglich auch eine Nichte des Teroldego. Zudem haben die Resultate ergeben, dass Dureza und Teroldego Enkelkinder des Pinot sind, der alten Burgunder Sorte, die bereits im Mittelalter sowohl in Frankreich als auch in Tirol präsent war. So dürfte also der Pinot sehr wahrscheinlich ein Urgrosselternteil der Syrah sein, was die angenommenen Ursprünge der Sorten in Frage stellt. Mittels DNA-Test konnte ich auch die Existenz einer genetischen Verbindung vom Typ Elternteil-Kind zwischen Mondeuse Blanche und Mondeuse Noire nachweisen, ebenso zwischen Mondeuse Blanche und Viognier. Die genetische Verbindung zwischen Mondeuse Blanche und Mondeuse Noire ist nicht überraschend, denn ihre morphologischen Ähnlichkeiten waren bereits von den Ampelografen hervorgehoben worden. Das erklärt, warum die Mondeuse Noire bisweilen Grosse Syrah genannt wird. Die direkte Abstammung zwischen Mondeuse Blanche und Viognier dagegen war nie zuvor vermutet worden. Vielleicht sind aus diesem Grund in den berühmten Weinen der Côte-Rôtie und aus Hermi­tage bis zu 20 % Viognier in der Assemblage mit Syrah zugelassen: gleich und gleich gesellt sich gern!

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