Enthüllungen zur Humagne Rouge

Cornalin, der geraubte Name

Noch vor wenigen Jahrzehnten hiess die am meisten verbreitete Rebsorte im Wallis schlicht und einfach Alter Landroter. 1972 wurde sie auf Cornalin umgetauft, wobei man den Namen einer alten Rebsorte aus dem Aostatal einfach usurpierte. Nun existiert aber diese alte Rebsorte im Aostatal immer noch unter ihrem historischen Namen Cornalin, was zu beträchtlicher Verwirrung führte und immer noch führt. Doch damit nicht genug: Der DNA-Test hat bewiesen, dass dieser alte Cornalin aus dem Aostatal auch im Wallis vorkommt, allerding unter dem Namen… Humagne Rouge! Um diese willentliche Aneignung des Namens zu korrigieren, müsste man ab sofort den Namen Rouge du Pays oder Alter Landroter für die alte Walliser Rotweinsorte verwenden, den Namen Cornalin dagegen für die alte Rebsorte aus dem Aostatal und folglich für die Humagne Rouge.

Abseits dieses ampelographischen Wirrwarrs bleibt eine Frage unbeantwortet: Warum wurde der Cornalin aus dem Aostatal bei seiner Einführung ins Wallis in Humagne Rouge umbenannt, obwohl er doch absolut nichts mit der uralten Walliser Sorte Humagne Blanc zu tun hat, deren erste Spuren bis 1313 zurückreichen? Bisher konnte niemand diese Frage beantworten. Dank Informationen, die ich erst kürzlich durch eine mündliche Zeugenaussage erhalten habe, hier endlich eine überzeugende Antwort, exklusiv für Terroir DIVO!

Humagne Rouge, ein erfundener Name

Am 22. April 2021 lud mich Romaine Basler-Michellod in die Cave Le Bosset in Leytron ein, die sie zusammen mit ihrem Mann Christian Basler biologisch bewirtschaftet. Ihr Vater Willy Michellod, 1936 geboren und das lebende Gedächtnis der Weinregion Leytron und Saillon, wollte mit mir über die Humagne Rouge sprechen. Vor einem Glas der exzellenten Humagne Rouge der Cave Le Bosset, erzählte mir Willy, sein Vater Marin Michellod habe so um 1945 oder 1950 herum einen Rebberg mit dem Flurnamen Crettaz d’Amont in Saillon gekauft. Da Saillon mein Geburtsort ist, hörte ich ihm begeistert zu – und wurde schnell von einer grossen Aufregung erfasst, als ich erfuhr, dass dieser Rebberg Fritz Roduit gehört hatte, meinem Urgrossvater! Letzterer produzierte hier zusammen mit seinem Bruder Albert Roduit den berühmten Vin des Nations, zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer der renommiertesten Fendants im Wallis. Auf dem höchsten Punkt dieser Fendantparzelle hat Marin Michellod alte Rebspaliere einer unbekannten roten Sorte gefunden, die er beim Rebschulisten Marius Buchard vermehren liess und an Stelle der Fendantstöcke von Fritz anpflanzte. Sein Kollege Henri Bonvin aus Leytron pflanzte diese Stöcke ebenfalls an, in Saillon. Und beide hatten viel Erfolg mit den ersten Weinen von diesen Reben, sodass auch andere Winzer der Region ihrem Beispiel folgten. Als es darum ging, Sorte und Wein zu taufen, erfand Marin Michellod den Namen «Humagne Rouge», der laut ihm bisher im Wallis noch nicht vorkam und inspiriert war vom Namen der alten Walliser Sorte Humagne Blanc.

La treille que je montre du doigt est probablement à l’origine des vignes d’Humagne Rouge.
Die Spalierrebe, auf die ich zeige, steht vermutlich am Ursprung der Humagne-Rouge-Reben.

«Flaschenhals»

Noch heute ist der von der Cave Le Bosset kultivierte Rebberg in der Lage Crettaz d’Amont in Saillon mit Humagne Rouge bepflanzt. Möglicherweise ist er die Quelle der allermeisten Humagne-Rouge-Reben im Wallis, die 2020 immerhin 143,2 ha belegten. Vom genetischen Gesichtspunkt aus gesehen, spricht man von einem «Flaschenhals»: Ausgehend von der grossen natürlichen Biodiversität in seiner ursprünglichen Heimat, dem Aostatal, wurden nur einige wenige Stöcke ins walliserische Saillon importiert, also nur ein Bruchteil der ursprünglichen Vielfalt. Aus diesem Grund zeigen die Humagne Rouge und der Cornalin d’Aoste, obwohl es sich um ein- und dieselbe Rebsorte handelt, einige bedeutende morphologische und organoleptische Unterschiede.

Doch es bleibt noch eine weitere Frage: Wer hat seinerzeit diese Humagne-Rouge-Spalierreben in Saillon angepflanzt? War das mein Urgrossvater Fritz Roduit, der vielleicht wie viele andere Walliser Zigaretten aus dem Aostatal schmuggelte und dabei einige Reben hätte mitbringen können? Darauf habe ich bisher keine Antwort gefunden, aber ich bin glücklich, das mein Vorfahr eine gewisse Rolle beim Aufschwung der Humagne Rouge im Wallis gespielt hat!

Les premières treilles d’Humagne Rouge en Valais ont été découvertes au sommet d’une vigne qui entrait dans le Vin des Nations, un des meilleurs Fendants du Valais produit dans les années 1920 par Fritz Roduit. 
Die ersten Humagne-Rouge-Spalierreben im Wallis wurden auf dem Gipfel eines Rebbergs entdeckt, dessen Trauben den «Vin des Nations» ergaben, einen der besten Walliser Fendants, der in den 1920er-Jahren von meinem Urgrossvater Fritz Roduit produziert wurde.

 

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