Ein kleiner Abstecher in den Süden: die AOC Côtes du Rhône Villages Saint-Gervais

Wenn man von Valence aus in Richtung Süden fährt, verlässt man die nördlichen Côtes du Rhône. Auf der Höhe von Valence findet das ungeteilte Königreich der Syrah ein Ende. Auf den nächsten 50 Kilometern wachsen gar keine Reben mehr. Dann, auf der Höhe von Montélimar, beginnt die AOC Côtes du Rhône Villages, zu welcher die besten Reben des immens grossen süd­lichen Rhonetals gehören. Seit 1966 anerkannt, umfasst diese Appellation 95 Gemeinden und die vier Departemente Ardèche, Drôme, Gard und Vaucluse.

🍷 Côtes du Rhône Weine kaufen →

Im Gegensatz zum nördlichen Teil herrscht hier kein gemässigtes, sondern ein mediterranes Klima mit dem starken Einfluss des Mistrals. Die Vegetation ist deutlich anders, vom Typ Garrigue, mit Buchs-, Wacholder- und Erdbeer­bäumen, den sogenannten Arbousier. Die Böden bestehen nicht aus Granit, sondern aus Sandstein. Im Lauf der Zeit haben gewisse Gemeinden oder Orte mit Flurnamen das Recht erhalten, ihren Namen dem der AOC Côtes du Rhône Villages beizufügen. Das ist etwa der Fall der Gemeinde Saint-Gervais, seit 1974 in der Appellation. Die AOC Villages umfasst recht unterschiedliche Weinbauzonen, die allerdings eines gemeinsam haben: Sie liegen alle am Hang und sind dem Mistral ausgeliefert. Im Gegensatz zum nördlichen Teil, in dem die Syrah in der Regel die einzige autorisierte Rebsorte ist, dominieren im südlichen Teil der Côtes du Rhône Assemblagen. Hier lebt die Syrah zusammen mit anderen roten Rebsorten, vornehmlich mit Grenache, Mourvèdre, Cinsault und Cari­gnan. Das Pflichtenheft der AOC Côtes du Rhône Villages enthält folgende Regeln: Jede rote Assemblage muss mindestens 50 % Grenache und mindestens 20 % Syrah und/oder Mourvèdre aufweisen. Die anderen Rebsorten dürfen 20 % nicht überschreiten. Saint-Gervais im Departement Gard ist folglich eine der 19 geografischen Ursprungsbezeichnungen im Schoss der AOC Côtes du Rhône Villages. Nach den Verheerungen der Phylloxera Ende des 19. Jahrhunderts erstreckt sich das Weinbaugebiet dieser Gemeinde wieder auf einer Fläche von 130 Hektaren, auf einem Sandsteinterroir, durchzogen von roten Lehmschichten. Auf den Plateaus findet man auch steinige Terrains.

Die Weinberge von Saint-Gervais liegen geschützt und behütet auf sandigen, zuweilen kalkhaltigen Böden.
Die Weinberge von Saint-Gervais liegen geschützt und behütet auf sandigen, zuweilen kalkhaltigen Böden

Domaine Sainte-Anne, Familie Steinmaier, Saint-Gervais

Die Domaine Sainte-Anne ist sehr alt, gehörte sie doch zur Kartause von Valbonne, einem im 12. Jahrhundert gegründeten Kloster. Während der Religionskriege geplündert und in Brand gesteckt, wurde sie zu Beginn des 17. Jahrhunderts wieder aufgebaut. Die Revolution verbot per Gesetz alle religiösen Orden, enteignete die Kar­täuser und veräusserte deren Besitz­tümer: Die Klöster wurden zu nationa- len Monumenten, während alles, was dazugehörte – Nebengebäude, Keller und Rebberge –, an Private verkauft wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg war alles heruntergekommen. 1965 kaufte das ursprünglich aus dem Burgund stammende Paar Guy und Anne Steinmaier das Weingut. Guy Steinmaier war einer der ersten, die im süd­lichen Teil der Côtes du Rhône Syrah anpflanzten. Heute gehört das Gut der nächsten Generation, den Brüdern Jean und Alain Steinmaier. Jean arbeitet inzwischen auswärts, sodass Alain allein für Rebberge, Vinifikation und Leitung des Guts zuständig ist. Die Rebberge von Sainte-Anne umfassen 32 Hektaren. Sie liegen auf einem Plateau von 200 Metern Höhe, nach Südwesten ausgerichtet, in Richtung der Cevennen. Das ist deutlich höher als der Durchschnitt in den Côtes du Rhône Villages (kaum über 80 m). Sainte-Anne profitiert folglich von einem für die Region relativ frischen Mikroklima.

«Ich begrüne meine Reben systematisch, vor allem, um der Erosion vorzubeugen. Die Gewitter sind bei uns extrem heftig. Die Begrünung hält die Böden stabil und dank Mikroorganismen lebendig. Ein nacktes Terrain verarmt», erklärt Alain Steinmaier, bedauernd, dass er uns sein Lager nicht zeigen kann, das sich normalerweise auf rund 150 000 Flaschen beläuft. «Ich habe die gesamte Ernte 2014 verloren. Schuld war der Hagel – und das schlechte Wetter, das darauf folgte. Es ist bereits das zweite Mal, das mir das passiert, nach den sintflutartigen Regenfällen von 2002, als an einem einzigen Wochenende 450 mm Niederschlag fiel – so viel, wie sonst in sechs Monaten. Es ist klug, sich auf solche Schicksalsschläge vorzubereiten, denn sie sind demoralisierend und es braucht mehrere Jahre, um sich davon zu erholen.» Bei den roten Sorten dominieren auf der Domäne Grenache (50 %) und Syrah (25 %). Mourvèdre und wenig Cinsault teilen sich den Rest der Fläche. Bei den weissen Sorten findet man Viognier, Marsanne und Roussanne. Mit 90 % haben die roten Sorten ein deutliches Übergewicht. Die Grenachestöcke sind alle mindestens 50 Jahre alt.

Das Terroir des Weinguts besteht aus zwei Bodentypen: aus kalkreichem Sandstein und rötlichen, eher steinigen Lehmböden. Grenache und Syrah bevorzugen Lehmböden, die Mourvèdre dagegen zieht den kalkigen Sandstein vor, denn diese Rebsorte fürchtet Trockenheit und Kälte. Die Sandsteinböden speichern das Wasser gut: Das Risiko von Wasserstress sprich Trockenheit
ist folglich begrenzt. Diese Böden sind auch sehr warm, früher zog man hier Spargeln. «Die Mourvèdre ist mit Abstand die schwierigste Sorte: Man muss sie unbedingt auf guten Böden pflanzen. In der Region haben viele Produzenten sie auf den roten Lehmböden gesetzt – und mussten wieder zurückkrebsen. Wir befinden uns hier an der nördlichen Grenze für die Mourvèdre, um so mehr, als sie eine sehr spät­reifende Sorte ist. Sie braucht deshalb die Hitze der Nachsaison. Der Regen macht ihr keine Angst, denn ihre Beeren haben dicke Häute, im Gegensatz zu Syrah oder Grenache, die sehr sensibel auf Graufäule reagieren. Die Kälte hingegen kann fatal sein für die Mourvèdre, deshalb findet man sie häufiger in der Provence, in Bandol oder Châteauneuf-du-Pape», fährt Alain Steinmaier fort.

Alain Steinmaier führt in zweiter Generation das Weingut Sainte-Anne, das seine Eltern 1965 erworben hatten
Alain Steinmaier führt in zweiter Generation das Weingut Sainte-Anne, das seine Eltern 1965 erworben hatten.

Die Weinlese dauert drei bis vier Wochen, denn die Sorten reifen nicht gleichzeitig. «In den 1970er Jahren begann die Ernte Ende September, Anfang Oktober. Ich erinnere mich, dass wir 1976 am 15. September anfingen. Das war so aussergewöhnlich, dass wir glaubten, das würde in die Geschichtsbücher eingehen. Heute markiert der 15. September wegen der Klimaerwärmung in der Regel das Ende der Weinlese, die im letzten Drittel des Augusts startet.» In vierzig Jahren hätten sie so drei Wochen «gewonnen».

Auf der Domaine Sainte-Anne legt man grossen Wert auf die Sönderung der Trauben. Eine erfahrene Equipe merzt erbarmungslos alle fragwürdigen Trauben und damit Enzyme aus, die eine ganze Ernte verderben könnten. «Wenn das Traubenmaterial gut ist, dann macht sich der Wein fast von allein», meint Alain. «Es ist wichtig, die Trauben schonend zu behandeln: kein Transport in grossen Behältern, keine Schläuche, keine Pumpen. Dank Schwerkraft werden die Trauben nicht beschädigt. Ich bin überzeugt, dass die Mechanisierung und Rationalisierung der Prozesse sich schädlich auf das Traubenmaterial auswirken.» Auf Sainte-Anne wird jedes Terroir, jede Rebsorte und jede Parzelle mit alten Reben separat vinifiziert.

🍷 Côtes du Rhône Weine kaufen →

Willkommensangebot

Möchten Sie jemanden aus Ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis dazu einladen, Mitglied beim Club DIVO zu werden?

Klicken Sie auf «Zum Warenkorb hinzufügen» und tragen Sie die notwendigen Angaben (Name, Vorname, Mailadresse) im Formular ein.

Verschenken Sie eine Mitgliedschaft für ein Jahr und erhalten Sie bei Ihrer nächsten Bestellung einen Bon im Wert von CHF 50.– (sobald die Mitgliedschaft bezahlt ist).


25.- / pro «Pate (Götti)»
Zu Warenkorb hinzufügen Dem Warenkorb hinzufügen

Processus

Ihre Vorteile als DIVO-Patin oder -Pate

Sie teilen
Ihre Weinpassion mit Ihren «Patenkindern»

Sie erhalten
einen Gutschein im Wert von CHF 50.– bei Ihrer nächsten Bestellung

Sie unterstützen
die Weine kleiner Produzenten