Domaine Monachon: geglückte Stabsübergabe

Unser Blick schweift über die akkurat gepflegten Stöcke am Steilhang, gestützt von prächtigen Steinmauern, hinunter auf den spiegelglatt daliegenden See und die geheimnisvoll wirkenden Berge am anderen Ufer drüben. Atemberaubend! Nimmt man diese unfassbare Schönheit überhaupt noch wahr, wenn man sie jeden Tag vor Augen hat? «Aber ja, selbstverständlich», meint Basile Monachon fast beleidigt. Und sein Vater Pierre, der mit seinem Segelboot leidenschaftlich gerne über den Lac Léman flitzt, doppelt nach: «Es ist ein grosses Privileg, hier im Herzen des Lavaux leben und arbeiten zu dürfen.»

Im Moment sogar noch mehr als sonst, hält doch die nur einmal pro Generation stattfindende Fête des Vignerons die Winzer der Region auf Trab. «Zum Glück hat Basile die Leitung unseres Familienbetriebs anfangs 2015 übernommen, sonst hätte ich gar keine Zeit, mich so stark für die Fête zu engagieren», findet Pierre, der als Vizepräsident der Confrérie des Vignerons de Vevey zurzeit voll ausgelastet ist. Und sich auch sonst seit Jahren für das Gemeinwohl engagiert, als langjähriger Bürgermeister von Rivaz etwa oder als Präsident der Qualitätsmarke Terravin.

Basile, 31 Jahre jung und in Changins ausgebildet, soll es recht sein, obwohl er wie der Rest der Familie ebenfalls als Laiendarsteller an der Fête mitmacht. «Ich hatte das Glück, dass Pierre gesund ist und immer gearbeitet hat, so konnte ich die Welt bereisen.» Und zahllose Erfahrungen sammeln, etwa in Bordeaux (Château Chauvin), im Priorat (Clos Mogador), in der Pfalz, in der Deutschschweiz (bei der Familie Wetli in Bernegg) und im Wallis (bei Claudy Clavien), aber auch in Neuseeland, Oregon und Argentinien – im Land des Malbec lernte er übrigens seine Frau kennen…

Die Stabsübergabe scheint reibungslos geklappt zu haben, «Basile ist jetzt der Chef. Natürlich diskutieren wir über alles und sind auch nicht immer gleicher Meinung, aber die Entscheide fällt er.» Doch er, Pierre, steht unerschütterlich an seiner Seite, um ihn zu unterstützten, «schliesslich haben wir den schönsten Beruf der Welt.» Er sagt es aus tiefster Überzeugung, mit seinem feinen, abgeklärten Lächeln, in sich selbst ruhend wie immer und eine grosse Zufriedenheit ausstrahlend.

Basile Monachon et son père Pierre accompagnent José Vouillamoz dans les terrasses de Saint-Saphorin.
Basile Monachon (oben) und sein Vater Pierre bei einer Erkundungstour mit José Vouillamoz durch die terrassierten Rebberge von Saint-Saphorin.

Das Mysterium des Terroirs

Es braucht nicht nur Passion, sondern auch Durchhaltewillen, um hier in diesen Steillagen, wo nichts mechanisiert werden kann, Rebbau zu betreiben und die kostbaren (und kostspieligen) Mauern zu unterhalten, ohne die der Hang abrutschen würde. Die drei Hektar des Weinguts, die zunehmend biologisch kultiviert werden, sind zu 60% mit Chasselas bestockt, «das Lavaux ist ein absolut aussergewöhnliches Terroir für Chasselas, doch selbst hier verkaufen die meisten Winzer ihren Wein offen an Grossverteiler», bedauert Pierre. «Für einen Liter Saint-Saphorin offen erhält man 9 Franken und braucht sich nicht um den Verkauf zu kümmern.» Die Monachons füllen die gesamte Produktion selbst in Flaschen ab. «Das heisst, ausnahmslos alle Tanks müssen von bester Qualität sein», betont Basile. Interessant finden Vater und Sohn nur Weine, die von ihrem Terroir geprägt sind, trockene Weine ohne kaschierende Restsüsse, die nach Parzellen getrennt ausgebaut und mit eigenen Hefen spontan vergoren werden. «Doch letztlich bleibt das Terroir immer auch etwas Mysteriöses, Geheimnisvolles.» Etwas, das Zeit braucht, um sich zu offenbaren. So sollte man die Chasselas Les Manchettes, Les Plantaz und erst recht den Dézaley eine Weile im Keller ruhen lassen, bevor man sie öffnet. Belohnt wird man dann durch charaktervolle Tropfen von rarer Subtilität, tiefgründig und unglaublich komplex.

Einen Namen gemacht haben sich die Monachons schon früh auch mit ihren Rotweinen, nicht zuletzt mit ihrem Merlot, den Pierre vor vierzig Jahren, als der Merlot noch nicht in Mode war, anpflanzte und der als unglaublich alterungsfähiger Wein ins Mémoire des Vins Suisses hätte aufgenommen werden sollen. Doch dagegen wehrten sich die Tessiner Winzer… Nun gehört halt der Terroirchasselas Les Manchettes zum elitären Kreis, womit Pierre und Basile als waschechte Waadtländer und Chasselas-Fans sehr einverstanden sind.

Es lebe der Drehverschluss!

Kein Mensch würde es akzeptieren, wenn 5 bis 10% der Gerichte eines Restaurants ungeniessbar wären. Doch genau das ist der Anteil der Weinflaschen mit einem Korkproblem! Sie sind belastet von einem modrigen Geruch, staubigen Noten oder einer vorzeitigen Oxydierung, ausgelöst durch ein Molekül (2,4,6-Trichloranisol, kurz TCA), das den Naturkork angreift. Schicksalsergeben wird das hingenommen – dabei gäbe es Alternativen. Dazu gehören der DIAM-Kork (gemahlener, behandelter und zusammengepresster Kork) oder der Glaskorken Vinolok, doch die beste Lösung scheint der Drehverschluss zu sein. In den 1960er-Jahren in Frankreich für Schweizer Chasselas- bzw. Fendantweine erfunden, bietet der Drehverschluss viele Vorteile: keine Korkfehler, keine anderen Fehltöne, besserer Schutz der Weinaromen, weniger Schwefelzusatz, keine undichten Flaschen, identischer Preis wie ein Naturkorken von guter Qualität, zudem ist er unbeschränkt rezyklierbar und damit ökologisch.
Seit 1983 verschliesst Pierre Monachon einen Teil seiner Weine mit Drehverschluss, und zahlreiche Vergleichsdegustationen haben seither gezeigt, dass dieser dem Naturkork deutlich überlegen ist. Bei unserem Besuch öffneten Basile und Pierre zwei Flaschen St-Saphorin 2002: Die Flasche mit dem Kork war «hinüber», zeigte Noten von überreifen Äpfeln und eine ausgeprägte Bitterkeit im Gaumen, während sich der mit Drehkapsel verschlossene Wein wunderbar lebendig präsentierte, mit typischen Aromen von nassen Steinen und Honig. Tatsächlich trägt die Sauerstoffzufuhr über den Naturkork entgegen überlieferten Ansichten nichts Positives zur Alterung des Weins bei. Und der Drehverschluss ist alles andere als ein Synonym für einen kleinen Wein bescheidener Qualität. Das bezeugen die besten Crus aus Australien oder Neuseeland!

Der Chasselas stammt vom Lac Léman

In einer Studie von 2009, welche die Herkunft des Chasselas mittels DNA-Test nachweisen sollte, habe ich zusammen mit Dr. Claire Arnold von der Universität Neuenburg zuerst nach den Eltern des Chasselas gesucht, doch vergeblich. Danach verglichen wir seine DNA mit derjenigen von mehr als 500 Rebsorten aus 18 Ländern Europas und des Nahen Ostens. Das erlaubte es, die diversen Geschichten rund um die Herkunft des Chasselas ins Reich der Legenden zu verweisen, so etwa diejenige, er sei aus Ägypten oder Konstantinopel eingeführt worden, oder aus dem Dorf Chasselas in der Nähe von Mâcon im Burgund, wo er aber nachweislich erst seit… 2016 kultiviert wird! Gemäss seiner Genetik gehört der Chasselas zu einer Gruppe von Rebsorten im Schnittpunkt zwischen Italien, der Schweiz und Frankreich. Die Erforschung der historischen Daten parallel dazu erlaubte es schliesslich, die Wiege des Chasselas in der Grossregion des Lac Léman zu situieren, ohne ihm eine Nationalität zuzuschreiben. Tatsächlich dürfte der Chasselas sehr viel älter sein als die Schweiz!

Tip von Basile Monachon

Restaurants
Auberge de Rivaz
Route de Sallaz 6, 1071 Rivaz
021 946 10 55

Le Pont de Brent
Route de Blonay 4, 1817 Brent
021 964 52 30