Domaine Grand’Cour: der Weinpoet

Jean-Pierre Pellegrin ist nicht einfach zu fassen. Mit seinen verstrubbelten Haaren und dem jungenhaften Lächeln hat er etwas von Peter Pan. Bisweilen wirkt er zurückhaltend, fast verschlossen, präzis wie ein Uhrmacher, dabei sensibel und versponnen in seine Gedankenwelt. Mit der Zeit merkt man: Er gleicht seinen Weinen. Oder umgekehrt. Sie sind so komplex, tiefgründig und facettenreich wie er.

Der Winzersohn hat das schöne alte Gehöft im Dörfchen Peissy, das er von seinen Eltern übernommen hat, eigenhändig renoviert und nach und nach in ein Schmuckstück verwandelt. In den letzten Jahren, in einem Alter, da andere sich langsam überlegen, den Stab an die jüngere Generation weiterzureichen, ist er das Wagnis eingegangen, die Reben eines benachbarten Winzers zu pachten und sein Gut auf einen Schlag um das Doppelte zu vergrössern, auf stolze 30 Hektar.

Träumer und Macher zugleich

«Früher war Genf das Vorzimmer des Burgunds», erzählt er, der sich leidenschaftlich für Geschichte und Archäologie interessiert. «Doch dann, mit der Reformation, haben wir unsere Seele verloren…» Deshalb gebe es keine richtige Genfer Wein-Geschichte. «Wir haben zwar Trauben produziert, aber keinen Wein. Genfer Wein existierte schlichtweg nicht.» Dass sich das grundlegend geändert hat, ist nicht nur, aber auch ihm zu verdanken. «Mein Vater hatte schon zwanzig Sorten angepflanzt. Alles, was mich nicht überzeugte, habe ich wieder ausgerissen und durch andere ersetzt – aber ich habe immer noch mehr als zwanzig Varietäten. Das ist eines der Probleme von Genf: Es fehlt uns an Identität!»

Jean-Pierre Pellegrin erinnert sich an sein Studium in Changins, seine Begegnung mit Persönlichkeiten wie Marie-Thérèse Chappaz, Marie-Bernard Gillioz, Pierre-Luc Leyvraz: «Das war eine richtige Offenbarung für mich!» Er, der lange darunter gelitten hatte, die Matura versiebt zu haben, und der aus einer Winzerfamilie stammt, welche ihre Trauben wie fast alle im Kanton an die übermächtige Kooperative lieferte, brauchte lange, bis er sich selber etwas zutraute. Und noch heute zweifelt er, hinterfragt sich ständig. Was ihn geprägt hat: Als er anfing, selber zu keltern, wurde er aus der Kooperative ausgeschlossen und jahrelang als Verräter behandelt.

Doch er hat gelernt, seinen Weg zu gehen. «Alle kaufen ihre Reben bei Rebschulisten, Reben von guter Qualität, ohne Frage, aber alle gleich – das inspiriert mich nicht. Wenn ich etwas Neues pflanzen will, dann forsche ich nach den Ursprüngen einer Sorte, suche nach alten Selektionen, mit denen eine Geschichte verbunden ist.» Am liebsten würde er seine Reben im Gobelet-System erziehen, aber das geht natürlich nicht, wenn man sie maschinell bearbeiten will. Jean-Pierre Pellegrins archäologische Ader meldet sich übrigens auch, wenn es um Maschinen geht: Steht irgendwo ein alter Traktor, kauft er ihn und bringt ihn wieder auf Vordermann. «Wenn ich auf meinem Traktor sitze und die Hügel hinauf- und hinunterfahre, dann möchte ich mit keinem Menschen auf der Welt tauschen…»

Sorgen macht ihm dagegen, wie stark die Böden mit Pestiziden belastet sind. «Mittlerweile ist mir der Schutz der Natur wichtiger als das Weinmachen», betont er. «Ich arbeite biologisch und biodynamisch, ohne Zertifikat, aber mit Überzeugung. Bei dem nassen Wetter, das wir dieses Jahr haben, heisst das allerdings, einmal wöchentlich die Reben zu behandeln.»

Jean-Pierre Pellegrin dans ses vignes à Peissy.
Jean-Pierre Pellegrin bei unserem Besuch in seinen Rebbergen in Peissy.

 

Eine Klasse für sich

Der Keller, wie der Rest des Hauses Stein für Stein vom Hausherrn renoviert, platzt fast aus den Nähten vor lauter Tanks, Barriques und Betoneiern. «Aber kein Behälter ist grösser als ein Mensch…» Lieber als Inoxstahltanks – «die ermöglichen eine perfekte Temperaturkontrolle, sind aber kalt und nicht lebendig» – sind Jean-Pierre die Betoneier («sie bieten zwanzigmal mehr Sauerstoffaustausch als Barriques») oder die Burgunder Piècen, in denen die Weine säuberlich nach Parzellen getrennt ausgebaut und erst später (wenn überhaupt) assembliert werden. «Ich lasse meinen Weinen Zeit, arbeite mit den eigenen Hefen, inspiriert von der Burgunderart des Weinmachens.» Und falls es doch einmal Probleme mit der Gärung geben sollte, greift er auf die famose Räuschling-Hefe 1895C der Familie Schwarzenbach aus Meilen zurück (siehe dazu Revue Terroir Nr. 89).
Endlich erklimmen wir die steile Holztreppe zum Degustationsraum, der durch schlichte Schönheit besticht. Endlich dürfen wir die raren Tropfen verkosten. In seinen Weinen offenbart sich Jean-Pierre Pellegrins Perfektionismus, seine Individualität, seine Phantasie, sein Einfühlungsvermögen. Etwa im filigranen weissen Auxerrois, würzig, nach Birnen und Akazienblüten duftend, mit salzigem Finale. «Das ist der Geruch meiner Kindheit. Auf dem Schulweg kam ich an Auxerrois-Reben vorbei und war fasziniert von diesen fast amberfarbenen Beeren.» Wunderbar auch der Viognier – die Rebstöcke stammen aus einer massalen Selektion vom legendären Château-Grillet –, ein Wein von höchster Eleganz, nach Orangenblüten duftend und ohne jede Schwere. Oder der in gebrauchten Barriques mittels Ganztraubenmaischung vinifizierte Gamay, dicht, würzig, fruchtig und intensiv. Nicht zu vergessen das rote Aushängeschild nach Bordelaiser Vorbild, der Grand’Cour mit seiner unglaublich seidigen Textur – er gehörte zu den ersten Mitgliedern im Mémoire des Vins Suisses, also zur Crème de la Crème des Schweizer Weins.

Wir könnten noch lange von Pellegrins Weinen schwärmen, doch genug davon! Das nächste Mal besuchen wir seinen spektakulären neuen Barriquekeller in Genf, mit Fragmenten aus der Römerzeit. Und fragen ihn nach seinen wilden Jahren als junger Saxophonist in einer angesagten Band…

Tipp von Jean-Pierre Pellegrin


Domaine de Châteauvieux
Peney-Dessus 16
1242 Satigny

Buffet de la Gare de Céligny
Route de Founex 25
1298 Céligny

Le Thermomètre
Rue Neuve-du-Molard 22
1204 Genève

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