Die Weine der Familie Boidron

Eine eng mit DIVO verbundene Familie

Die Familie Boidron gehört gewissermassen zur DNA von DIVO, vertreiben wir doch ihre Weine schon seit den 1960er-Jahren. Jean-Noël Boidron, im selben Jahr geboren wie unser Club, ist seit 1955 Winzer in Saint-Emilion und ehemaliger Professor an der önologischen Fakultät von Bordeaux. Er wurde in dieser Revue schon mehrmals porträtiert, von Christophe von Ritter (†2010), Pierre Balthasar de Muralt (†2013) und natürlich von Constant Bourquin (†1973), dem Gründer von DIVO, mit dem Jean-Noël eng befreundet war. Nun ist es an mir, Ihnen meinen Eindruck der Boidron-Weine zu schildern: Ich habe Jean-Noël im Jahr 2006 kennengelernt, als ich in die Académie Internationale du Vin aufgenommen wurde (Jean-Noël ist eines ihrer Gründungsmitglieder). Sein wissenschaftlicher Zugang, seine Kultur, seine unstillbare Neugier und seine diskret verschmitzte Miene ebenso wie die Natürlichkeit seiner Weine haben mich auf Anhieb eingenommen. Ich liebe die Weine der Boidrons, denn sie präsentieren sich ohne jede Wichtigtuerei und besitzen alle eine eigene Persönlichkeit.

Die Vignobles Boidron umfassen 70 Hektar Reben, verteilt auf sechs Appellationen. Zu ihnen gehören das Château Corbin Michotte, Saint-Emilion Grand Cru Classé, das Château Calon in Montagne Saint-Emilion und Saint-Georges-Saint-Emilion, das Château Cantelauze in Pomerol, das Manse d’Elodé (Bordeaux Rosé) und das Mayne d’Olivet (Bordeaux Blanc). Sie werden gemeinsam geleitet von Jean-Noël und seinen Kindern Isabelle (Administration), Emmanuel (Verkauf) und Hubert (Weinbau und Vinifikation). Hubert, mein «Confrère» in der Académie Internationale du Vin, ist wie sein Vater Önologe; die beiden sind durch tiefen Respekt und gegenseitiges Einverständnis eng miteinander verbunden. Das Duo produziert keine modischen Weine, sondern Weine, die der Finesse vor der Wucht den Vorzug geben und die mit grosser Redlichkeit die verschiedenen Terroirs ausdrücken. Die Trauben werden immer von Hand und in kleinen Kistchen gelesen und danach drastisch gesöndert, auf Calon Montagne St-Georges maschinell, auf Corbin Michotte und Cantelauze von Hand, mit Hilfe von acht Personen. Die alkoholische Gärung findet immer spontan statt, denn für die Boidrons sind die eigenen Hefen integrierender Bestandteil des Terroirs. Um sie nicht zu beeinträchtigen, wird nur ein Minimum an Schwefel hinzugefügt. Auf den Boidron-Gütern wird prinzipiell auf das Chaptalisieren verzichtet, obwohl es dank jährlicher Ausnahmebewilligungen erlaubt wäre.

Die Weine werden unfiltriert abgefüllt, damit sie sämtliche Charakteristiken des Ortes bewahren, bisweilen findet man also nach einigen Jahren ein leichtes Depot in den Flaschen.

Im Barriquekeller reifen immer mindestens drei Ernten gleichzeitig, aufbewahrt in eindrücklichen unterirdischen Galerien bei konstant gleichbleibenden Temperaturen. Die Weine werden innerhalb von rund zehn Jahren verkauft, dann, wenn die Boidrons sie für reif halten.
In einem schwierigen Jahrgang wie 2021, geprägt vom Frost und den schweren Regenfällen im Mai und mit heftigen Attacken durch den Falschen Mehltau, erlaubten es das Savoir-faire und die grosse Erfahrung der Boidrons, Weine von grosser Qualität zu produzieren. Die Familie besitzt nicht nur ausserordentliche Terroirs, sondern auch ein in seiner Art einzigartiges, von ihr selbst ausgeklügeltes Drainagesystem, mit Entwässerungsrohren in einer Tiefe von zwei Metern, sodass das Wasser unterirdisch zirkulieren kann.

Jean-Noël Boidron (né en 1936) exhibe un fac-similé de la première lettre de DIVO publiée en 1936 par son ami Constant Bourquin (1900-1973), fondateur de DIVO, le « Club International du Vrai Vin ».
Jean-Noël Boidron, 1936 geboren, zeigt ein Faksimile des allerersten DIVO-Clubbriefs, den sein Freund Constant Bourquin (1900-1973), Gründer von DIVO, dem «Club International du Vrai Vin», im Jahr 1936 publiziert hat.

 

Château Corbin Michotte, Saint-Emilion, zwischen Cheval Blanc und Pétrus gelegen

Das Château Corbin Michotte, ein Gut von 7,63 Hektar, liegt auf 35 m ü. M. und zählt prestigereiche Schlösser wie Cheval Blanc, Pétrus, Gazin, La Dominique und Figeac zu seinen Nachbarn. Die Gebäude stammen aus dem
19. Jahrhundert und wurden seit 1959 von Jean-Noël Boidron unermüdlich instandgesetzt, der Barriquekeller wurde 1980 vollständig renoviert. Die Rebberge auf schwarzen Sand- und Schwemmlandböden auf einem Untergrund von stark eisenhaltigem sandigen Lehm (Eisenschlacke), mit einigen grossen Kieselsteinen an der Oberfläche, wurden noch nie mit Herbiziden behandelt.

Der Wein wird in der Regel zwölf bis 24 Monate lang in zur Hälfte neuen Barriques ausgebaut. Weinposten, die den Ansprüchen nicht genügen, um in den Corbin Michotte zu kommen, werden systematisch unter dem Namen «Les Abeilles» deklassiert.
Sortensatz: 65% Merlot, 30% Cabernet Franc, 5% Cabernet Sauvignon.

2011    93

«Ernsthafte» Nase mit Röstnoten, die an Bleistiftminen erinnern, abgerundet durch Cassisaromen. Der Gaumen ist rund und anmutig, die Tannine schön verschmolzen, die Struktur bedeutend. Der Wein klingt auf griffigen Tanninen aus, die für ein weiterhin gutes Potential sprechen.

2014    92

Intensive Nase mit einem stark von Röstnoten (Graphit, kalte Asche, Weihrauch) geprägten Charakter, zu denen sich Anklänge von Unterholz und ein Hauch Tarte Tatin gesellen, der an die perfekte Reife der Trauben erinnert. Der Gaumen präsentiert sich voller Finesse, die dicht verwobenen Tannine beginnen zu verschmelzen, im Finale macht sich ein Anflug von Lakritze bemerkbar. Ein Wein, der mit seinen verführerischen Sekundäraromen ins Erwachsenenalter eintritt, sich aber in den nächsten paar Jahren immer noch weiter verbessern wird.

2016    94

Grosse Finesse in der Nase, mit Aromen von frischen Feigen, Blätterteig und roten Kirschen. Die Tannine sind ebenfalls von grosser Finesse, ausbalanciert durch eine schöne Säure. Das Finale hält sehr lange an, getragen von seidigen, köstlich griffigen Tanninen. Bereits jetzt sehr harmonisch, verspricht er eine schöne Zukunft.

2018    91

Noch etwas verschlossene Nase mit Noten von Kirsch­baumharz. Der Gaumen bietet ein schönes Gleichgewicht, mit seidigen Tanninen und einer markanten Säure. Das Finale ist noch sehr stark von den Tanninen geprägt, denn der Wein befindet sich in der Blüte seiner Jugend.

2019    93

Sehr fruchtige und frische Nase mit Aromen von Cassis und Brombeeren. Das Holz ist bereits gut integriert, die Tannine zeigen sich seidig, die Struktur ist weich, mit schöner Länge auf Aromen von roten Früchten. Ein grosser Wein, der da im Entstehen ist!

Château Calon in Saint-Georges-Saint-Emilion

Mit fast 80 Hektar ist das die grösste Domäne der Familie, die sich seit mehreren Jahrzehnten im Besitz der Boidrons befindet. Der heutige Barriquekeller wurde 1964 von Jean-Noël und seinem Vater, der Tonnelier war, erbaut. Der Keller liegt vollkommen unter der Erdoberfläche, wie ein Echo auf die zahlreichen Tunnels und Galerien der Region, die gegraben wurden, um Steine abzubauen. Jean-Noël, grosser Kulturliebhaber und nicht zu bremsen, wenn es um die Geschichte der Region geht, erklärt mir, dass der Name Calon, den man auch bei anderen Châteaux findet, im Gälischen «Herz» bedeutet. Das Terroir von Calon besteht aus sehr dichten, stark eisenhaltigen Lehmschichten, welche die Rebwurzeln nur mit Mühe durchdringen können. Die schwersten Lehmböden werden deshalb durch ein geniales Drainagesystem zwei Meter unter dem Boden entwässert, das nur die Familie Boidron installiert hat.
Sortensatz: 80% Merlot, 18% Cabernet Franc, 2% Malbec.
Vinifikation: Mazeration von einem Monat, 15 Tage alkoholische Gärung.

2014    91

In der Nase Noten von Veilchen, Feigen und Cassis, abgerundet durch Kreideakzente, die das Terroir ausdrücken. Der Gaumen ist luftig-elegant, mit knackigen Tanninen und einer angenehmen kleinen Bitternote im Finale. Der Wein ist bereits trinkreif.

2015    92

In der Nase Erdbeer- und Kirschenaromen. Dann findet man auch die für Calon so typische Kreidenote. Die Tannine sind sehr dicht verwoben und samtig weich, die Struktur in diesem heissen Jahrgang ist dicht, das Finale hält sehr lange an. Grosses Alterungspotential.

Jean-Noël (à gauche) et Hubert Boidron entourent José Vouillamoz après la dégustation de quelques millésimes récents.
Jean-Noël (links) und Hubert Boidron nehmen José Vouillamoz in ihre Mitte, nachdem sie miteinander einige der jüngsten Jahrgänge degustiert haben.

 

Château Cantelauze in Pomerol, ein «Garagenwein»

Die Trauben von Cantelauze, einem winzigen Besitz von
1,5 Hektar, werden in einer ehemaligen Garage, die zum Keller umfunktioniert wurde, verarbeitet. Die Rebberge, in Nachbarschaft zu Pétrus, sind in vier Parzellen unterteilt, der kiesig-lehmige Boden ist sehr tiefgründig, mit mittelgrossen Kieselsteinen. Im Gegensatz zu seinen «Cousins» wird der Cantelauze 18 Monate lang in neuen Barriques ausgebaut.
Sortensatz: 60% Merlot, 40% Cabernet Franc.

2018    93

Noch etwas strenge Nase mit Noten von Graphit und blondem Tabak. Die Frucht ist noch eher verhalten. Die seidigen Tannine verleihen dem Gaumen eine schöne Geschmeidigkeit, mit viel Saft und Knackigkeit. Sehr langanhaltend auf wunderbar natürlichen Tanninen. Braucht noch ein bisschen Zeit, um sich zu öffnen. Grosses Potential.

2019    92

Intensive, sehr verführerische Nase mit Noten von Veilchen und warmen Heidelbeertörtchen, begleitet von einer Kugel Vanilleglace. Bedeutende Struktur mit sehr dicht verwobenen Tanninen. Das Finale hält lange an auf einem schönen Tanningerüst, das ein ganz ausgezeichnetes Alterungspotential verspricht.

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