Die typischen Rebsorten des Tessins

Der Merlot, Tessiner durch Adoption

Die aus der französischen Gironde stammende Rebsorte Merlot gehört zur Assemblage der grossen Bordeauxweine. Ihr Name stammt vermutlich von «merle» (= Amsel), da die Amseln eine Vorliebe für Merlotbeeren haben. Laut DNA-Analyse ist Merlot eine spontane Kreuzung zwischen Cabernet Franc und Magdeleine Noire des Charentes, einer alten, fast verschwundenen Sorte. Die Merlot ist eine Halbschwester von Cabernet Sauvignon, Malbec (Cot) und Carmenère. In der Schweiz wurde die einfach zu kultivierende, aber auf Echten Mehltau anfällige Sorte Mitte des 19. Jahrhunderts im Kanton Waadt erstmals angepflanzt. Inzwischen findet man sie vor allem im Tessin, wo sie 1906 nach der Reblauskrise eingeführt wurde und dessen Aushängeschild sie heute ist.

Bondola, die vom Thron gestürzte Königin

Einst war die Bondola, 1785 erstmals erwähnt, die am weitesten verbreitete Rebsorte des Tessins. Nach der Reblauskrise wurde sie rasch von der neu eingeführten Merlot verdrängt. DNA-Tests zufolge sind Bondola und die Deutschschweizer Sorte Briegler identisch. Die Sorte wird heute nur noch im Tessin, insbesondere im Sopraceneri, angebaut, wo sie knackig-fruchtige Weine von alpinem Charakter ergibt, mit rustikalen Tanninen und ausgeprägter Säure.