Crozes-Hermitage und Hermitage: die Appellationen der Rive gauche

Diese beiden Appellationen sind die einzigen der nördlichen Côtes du Rhône, die auf dem linken Flussufer liegen, gegenüber der Appellation Saint-Joseph. Die Appellation Crozes-Hermitage wurde 1937 gegründet. Anfangs auf das Gemeindegebiet von Crozes-Hermitage beschränkt, wurde sie wegen der Bekanntheit einiger Parzellen, die zur AOC Hermitage gehören, 1952 schliesslich auf zehn weitere umliegende Gemeinden ausgedehnt; die bekanntesten unter ihnen sind Tain-l’Hermitage und Mercurol.

Mit einer Fläche von 1500 Hektaren ist sie die grösste Weinregion der nördlichen Côtes du Rhône. Schon die Römer kultivierten hier Reben. Die Gemeinden von Crozes und Tain haben zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihrem Namen den Zusatz Hermitage beigefügt, aus einleuchtenden kommerziellen Gründen. Der Begriff «ermitage» verweist auf den Hügel über der Rhone, auf dessen Gipfel sich 1224 ein Ritter auf der Rückkehr vom Kreuzzug gegen die Albigenser als Eremit niedergelassen hatte. Nach seinem Tod errichtete eine religiöse Gemeinschaft eine Kapelle zu seinem Andenken und pflanzte Reben auf dem Hang. Der fragliche Hügel war schon zur Römerzeit mit Reben bestockt. Ganz in der Nähe der Kapelle fand man die Überreste eines römischen Altars, welcher der Göttin Kybele geweiht und dem Kaiser Commodus (2. Jh. n. Chr.) gewidmet war. An der Stelle der Kapelle stand früher wahrscheinlich ein sehr alter römischer Herkules-Tempel.

Wie auch immer: Der Hügel dieser Einsiedelei, eine Enklave in der Appellation Crozes-Hermitage, besitzt eine eigene Appellation: Hermitage. Es handelt sich um ein kleines Weingebiet von 130 Hektaren auf steilen Hängen und einem Terroir aus brüchigem Granit, das heute die Gemeinden Crozes-Hermitage, Tain-l’Hermitage und Larnage einschliesst. Vereinfacht gesagt, liegt die AOC Hermitage in der Höhe auf Granitterroir, wogegen die AOC Crozes-Hermitage die Ebene unterhalb des Hügels von Hermitage umfasst, mit einem recht abwechslungsreichen Terroir aus abgerundeten Kieselsteinen auf Terrassen aus der Gletscherzeit (im Süden) und aus Schwemmlandböden sowie den ersten Granitausläufern, vermischt mit rotem Lehm (im Norden). Die Weinberge sind zu 90 % mit Rotwein und zu 10 % mit Weisswein bestockt. Auch hier ist die Syrah die einzige autorisierte Rotweinsorte. Als weisse Sorten sind Roussanne und Marsanne zugelassen.

Domaine du Colombier, Florent und David Viale, Mercurol

In Mercurol, 4 Kilometer von Tain-l’Hermitage entfernt, kultiviert Florent Viale 16 Hektaren Reben, zur Hauptsache in der AOC Crozes-Hermitage und mit einigen Parzellen in der AOC Hermitage. Die Terroirs sind nicht dieselben: Im ersten Fall bestehen sie zu 70 % aus Schwemmlandböden, im zweiten dominieren Granit- und teilweise Kalkböden. In der Domaine du Colombier kümmert sich Florent um den Weinbau, sein Bruder David dagegen um den Obstbau. Lange Zeit war die heutige AOC Crozes-Hermitage nämlich eine Zone der Mischwirtschaft, in welcher der Wein bloss als Ergänzung diente. Man kultivierte hier – und tut es noch heute, wenn auch in geringerem Mass – Pfirsiche, Kirschen und Aprikosen. Die Winzer lieferten ihre Trauben an die Kooperative in Tain-l’Hermitage, unabhängige Selbstkelterer waren rar. Bis in die 1990er Jahre war der Obstbau sehr einträglich, verlor dann aber zunehmend und aus verschiedenen Gründen an Bedeutung: Baumkrankheiten, grosse Konkurrenz der spanischen Früchte, Überproduktion. Florents Bruder produziert allerdings weiterhin Aprikosen.

Ein kleiner Spaziergang durch die Reben, oberhalb von Mercurol, gibt Florent die Gelegenheit, uns die Gegend und seine alten Rebstöcke zu zeigen. Unterhalb von uns dehnen sich die Terrassen auf den Schwemmlandböden der AOC Crozes-Hermitage aus, im Hintergrund erkennt man den Gebirgsstock des Vercors. Zur Rechten liegt der voll nach Süden ausgerichtete Hügel von Hermitage. Wir befinden uns auf der Grenze der beiden Appella­tionen. Fehlt es der AOC Crozes-Hermitage mit ihrer Grösse nicht an Homo­genität?

Vergleich unterschiedlicher Böden

Hermitage: Les sables granitiques offrent  un très bon drainage
Hermitage: Die Böden aus Granit-Quarzsand zeichnen sich durch eine sehr gute Drainage
Crozes-Hermitage: Les vignobles de Mercurol prospèrent sur des sols d’anciens alluvions à galets roulés
Crozes-Hermitage: In der Gemeinde Mercurol wachsen die Reben auf Schwemmlandböden mit runden Kieseln

«Wissen Sie, egal wie gross sie ist, eine Appellation ist immer heterogen. Das gilt sogar für Hermitage, wo einige Parzellen aus Granit und andere aus Kalk bestehen», meint er. Wir kommen zu einer 1944 bestockten Parzelle, die Florent 2004 kaufen konnte. «Es ist nicht selten, dass die Reben hier 70 Jahre oder mehr zählen», fährt Florent fort. «Ich besitze 1,8 Hektaren mit hundertjährigen Marsannestöcken in der AOC Hermitage. Ich weiss nicht warum, aber Weissweinreben altern gut in diesen Breitengraden.»

Zurück auf der Domaine du Colombier, entdecken wir den Keller, in dem Inoxstahltanks und Betoncuves stehen. «Für die Vinifikation verwende ich die Stahltanks, das ist praktischer, vor allem für das Umziehen. Aber da die Syrah eine reduktive Sorte ist, baue ich sie lieber in den Betontanks aus, in denen es weniger Temperaturunterschiede gibt», erzählt uns Florent. Danach wird der Wein in rund 60 Doppelbarriques («demi-muids») von 600 Litern verfeinert.

Florent Viale du Domaine du Colombier a bien le droit d’être fier de ses vins
Florent Viale von der Domaine du Colombier ist – mit Recht – stolz auf seine Weine

Bei der Degustation entdecken wir die Rotweine des Hauses: Der Crozes- Hermitage, Domaine du Colombier ist ein Syrah von alten Rebstöcken, die Florents Vater in den 1960-1970er Jahren gepflanzt hat. Der Wein wird zu 70 % in Doppelbarriques und zu 30 % in Betoncuves ausgebaut. Die Verkoster beurteilen den 2014-er als tiefgründig, komplex, vornehm und elegant. Der Crozes-Hermitage, Cuvée Gaby trägt den Vornamen von Florents Vater, die Reben wurden allerdings vom Gross­vater gepflanzt, sind also gut und gerne siebzig Jahre alt. «Ich liebe das seidige Gerüst des Jahrgangs 2014. 2013 waren die Tannine strenger, der Stoff gehaltvoller», analysiert Florent. Eric Duret stimmt zu, bewundert das schöne Gleichgewicht der Holznoten. Ein harmonischer, tiefgründiger Cru mit viel Schmelz, von runder Form und mit Kirschennoten. Der Hermitage löst eine interessante Diskussion aus: Er ist ein grosser Lagerwein, ein konzentrierter, tiefgründiger, zwanzig Monate lang ausgebauter Tropfen, der sich aber eine elegante Textur bewahrt hat.

«Der Stil, den ich liebe, das ist die Finesse, die Frische, die Spannung – und eine langgliedrige Struktur. Manchmal widerspricht mir die Natur und zwingt mir einen sonnigen Jahrgang auf, so wie 2013 oder auch ein wenig 2009. Doch ich bin jedes Mal erstaunt: Persönlich bin ich etwas enttäuscht, doch Kritiker und Kunden zeigen sich begeistert!»

Persönliche Empfehlungen von Florent Viale, Domaine du Colombier

Le Mangevins
Das Lieblingsrestaurant von Florent Viale, der es als sehr gute Adresse mit ausgezeichneter Weinkarte beschreibt. Achtung: es ist immer voll und man sollte deshalb unbedingt reservieren!

7 Rue des Herbes
26600 Tain-l’Hermitage
T: +33 (0)4 75 08 00 76
www.facebook.com/Le Mangevins

La Maison Gambert
Sehr gutes Restaurant, das man zu Fuss nach einem Besuch auf der Domaine du Colombier erreichen kann. Das Maison Gambert bietet saisonale Bistroküche. Der Küchenchef Mathieu Chartron und sein Team zeichnen sich durch eine raffinierte und kreative Küche aus.

9 route de Chantemerle
26600 Tain-l’Hermitage
T: +33 (0) 4 75 09 19 85
maisongambert.com

Hôtel-Restaurant Chartron
Gleicher Chef wie im Maison Gambert, aber dieses Mal in einem Restaurant mit einem Michelin®-Stern. Der Stolz von Mathieu und Bruno Chartron ist es, die kulinarischen Geheimnisse der Drome-Hügel auf den Teller zu bringen. Spezialität: Trüffel.

1 Avenue Gambetta
26260 Saint-Donat-sur-l’Herbasse
T: +33 (0)4 75 45 11 82
restaurant-chartron.com

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