Château d’Auvernier: seit 400 Jahren in Familienbesitz

Wer Œil-de-Perdrix hört, denkt Château d’Auvernier. Kein Wunder, denn die rassige Neuenburger Rosé-Spezialität des traditionsreichen Weinhauses, gekeltert aus Pinot-Noir-Trauben, gehört zu den schweizweit besten und bekanntesten. Schlossherr Thierry Grosjean, der uns herzlich willkommen heisst, meint: «Früher sagte ich jeweils, ich kultiviere nicht Pinot, sondern Œil-de-Perdrix! Der macht immerhin fast die Hälfte unseres Umsatzes aus…» DIVO hat übrigens seit sage und schreibe dreissig Jahren (!) eine eigene Selektion dieses Œil-de-Perdrix im Angebot.

Das imposante Château d’Auvernier, unweit vom Ufer des Neuenburgersees inmitten eines Parks gelegen, wurde 1559 erbaut und befindet sich seit 1603 im Besitz der Familie Chambrier und ihrer Nachkommen. Da das Schloss mehrmals über die weibliche Linie vererbt wurde, wechselte der Name der Besitzer von Chambrier über Sandoz-Rollin, Pourtalès und Montmollin bis zu Grosjean.

Bevor uns der joviale Thierry Grosjean die ehrwürdigen Kellergewölbe aus dem 17. Jahrhundert mit den mächtigen Holzfudern und den modernen Barriquekeller mit seinem Bullauge zeigt, führt er uns in die Rebberge, die direkt hinter dem Schloss liegen. «Die Reben sind meine grosse Passion», meint er schlicht. «Als ich die Leitung des Guts 1988, unterstützt von meinen Eltern, übernehmen konnte, umfasste es sieben Hektar Reben. Heute besitzen wir 26, bewirtschaften aber insgesamt 43 Hektar und kellern zusätzlich die Ernte von langjährigen Vertragswinzern ein, alles in allem 60 Hektar.» Es sind leichte bis mittelschwere Kalkterroirs an den sanften Hängen des Jurasüdfusses, die durchaus Ähnlichkeit mit dem Burgund aufweisen. Der grosse Teil der Reben (dominierende Rebsorte ist mit rund 55% der Pinot Noir alias Blauburgunder) wird nach den Regeln der integrierten Produktion kultiviert, zehn Hektar dagegen strikt biologisch, wenn auch ohne Zertifikat. «Das hat mich interessiert, ich wollte mitreden können…»

Thierry Grosjean devant la porte du majestueux Château d’Auvernier.
Thierry Grosjean vor der Eingangstür zum majestätischen Château d’Auvernier.

 

Stabsübergabe steht bevor

«So langsam sollte ich mich ja ein bisschen zurückziehen und die Jungen machen lassen, aber ich gebe es zu: Es fällt mir nicht leicht, mich nicht mehr einzumischen…!» Thierry lacht. Aber er hat einfach noch viel zu viele Ideen. Doch die Stabsübergabe ist bereits in Gang. Thierrys Schwiegersohn Yann Vanvlaenderen ist schon seit einer Weile verantwortlich für die Reben. Und Thierrys Sohn Henry, der bei unserem Besuch grad im WK weilt, wird nächstes Jahr als Vertreter der 15. Generation offiziell den Betrieb übernehmen. «Es war schon früh klar, dass von meinen vier Kindern Henry das Familienerbe antreten würde», erzählt Thierry, «er hatte bereits als kleiner Junge eine unglaublich enge Beziehung zu diesem Ort. Wenn wir in die Ferien fuhren, hat er zum Abschied immer das Schloss umarmt…»

Jeden Morgen versammelt Thierry Grosjean seine ganze Equipe zum Rapport, «das ist ein bisschen militärisch, ich weiss, aber Teamgeist ist mir wichtig.» Das zeigt sich auch später, als wir einen Neuchâtel Blanc 1952 öffnen, den José Vouillamoz aus seiner persönlichen Schatzkammer mitgebracht hat. Zum Verkosten ruft der Hausherr die Mitarbeitenden zusammen, damit alle die Rarität probieren können.

Thierry Grosjean ist die Seele des Betriebs, er arbeitet unerschütterlich und mit spürbarer Begeisterung daran, das gewichtige Erbe zusammenzuhalten und in die Zukunft zu führen.

Als er zum Neuenburger Staatsrat gewählt wurde und den Betrieb ein paar Jahre lang «nur wie von einer Wolke aus beobachten konnte», haben die Jungen inklusive Kellermeister Frédéric Droz gezeigt, was sie können. Oder besser: dass sie es können!

Segel setzen in Richtung Zukunft

Neben Œil-de-Perdrix und Chasselas (wunderbar der Non-Filtré!) sorgt das Haus längst auch mit anderen Weinen für Aufsehen. Etwa mit dem dynamischen, alles andere als kitschigen Sauvignon blanc. Mit einem eleganten, in Barriques gereiften Chardonnay. Oder mit dem schlicht grossartigen Pinot Noir Les Argiles, der von stupender Eleganz und Komplexität ist – ein echter Terroirwein. Kein Wunder, gehört er zur Elite des Mémoire des Vins Suisses und damit zu den allerbesten Schweizer Weinen!

Trotz seinem Temperament und seiner Energie besitzt Thierry Grosjean etwas Abgeklärtes. Angesprochen auf die herrschende Corona-Krise, welche Gesellschaft und Wirtschaft durchschüttelt, gibt er sich gelassen. «Seit dieser Betrieb im Besitz unserer Familie ist, hat er schon zahlreiche Krisen überstanden, angefangen beim Dreissigjährigen Krieg und der Kontinentalsperre von 1806 über die Reblauskatastrophe, die beiden Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise, den verheerenden Frost von 1956 bis hin zum Coronavirus… Er wird auch aus dieser Krise gestärkt hervorgehen!» Als Winzer und leidenschaftlicher Segler, der als junger Mann von Kapstadt aus um die halbe Welt gereist ist, hat Thierry Grosjean gelernt, sich voller Elan für seine Ziele einzusetzen. Aber auch auf ein günstiges Schicksal zu vertrauen und dankbar zu sein für das, was seiner Familie seit 400 Jahren an Gutem widerfahren ist.

Der Œil-de-Perdrix

Der Œil-de-Perdrix ist der typische Rosé aus Neuchâtel. Gekeltert wird er, indem die Pinot-Noir-Trauben kurz an der Maische vergoren werden, was ihm die charakteristische Farbe gibt, die an das Auge eines sterbenden Rebhuhns erinnern soll (Œil-de-Perdrix = Rebhuhnauge). Der Œil-de-Perdrix scheint eine Neuenburger Erfindung zu sein, erstmals erwähnt wurde er 1861 auf einer Etikette des Einkellerers Louis Bovet in Areuse. Der Name wurde in Frankreich allerdings schon im Mittelalter verwendet, beispielsweise 1601 im Werk «L’Agriculture et Maison Rustique» von Charles Estienne und 1701 im «Dictionnaire universel» von Pierre Husson. Er bezeichnete in der Champagne und im Burgund einen «vin paillet», also einen Rosé, der aus dem Vorlauf produziert wird und nicht aus Presswein. Der ursprünglich aus der Champagne stammende Begriff migrierte folglich ins Burgund und dann nach Neuenburg, die einzige dieser drei Regionen, wo er überlebt hat. Allerdings haben es die Neuenburger verpasst, den Namen Œil-de-Perdrix in der Schweiz schützen zu lassen, sodass man heute auch in den Kantonen Genf, Waadt und Wallis Weine dieses Namens findet.

Tipp von Thierry & Henry Grosjean


Brasserie du Poisson
Francine & Valérie Isler
Rue des Epancheurs 1
2012 Auvernier

La Brasserie de la Fontaine
Avenue L-Robert 17
2300 La Chaux-de-Fonds

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