Appellationen in Galicien

GaliceDie Weine Galiciens genossen bereits im Mittelalter Ansehen. Ihre Blütezeit erlebten sie im 15. und 16. Jahrhundert, blieb doch diese nordwestspa­nische Region weitgehend von den Invasionen der Mauren verschont, welche den grössten Teil der iberischen Halbinsel zwischen 711 und 1492 unter ihre Herrschaft gebracht hatten.

Damals wurden die Weine aus Galicien nach ganz Europa und sogar nach Amerika exportiert. Doch im 19. Jahrhundert führten Wirtschaftskrisen sowie das Auftauchen von Pilzkrankheiten (Echter und Falscher Mehltau) und Phylloxera dazu, dass zahlreiche Weinberge aufgegeben wurden, da viele Menschen nach Südamerika emigrierten. Erst nach dem Anschluss Spaniens an die Europäische Union 1986 konnten die ehemaligen Weinberge dank europäischen Geldern wiederbelebt werden. Heute befinden sich die Weine Galiciens auf einem guten Weg, um ihr einstiges Ansehen zurückzuerobern.

Galicien, wegen seines Klimas und seiner Landschaften bisweilen als Bretagne Spaniens bezeichnet, ist weingeografisch in fünf Appellationen beziehungsweise Denominaciónes de Origen (abgekürzt DO) unterteilt (siehe Karte).

Do Rías Baixas

Die DO Rías Baixas ist die bekannteste und bedeutendste der galicischen Appellationen. Ihre Anfänge reichen bis 1980 zurück, als die Denominación Específica Albariño für die Königssorte der Region eingeführt wurde. 1988 musste die Appellation allerdings in DO Rías Baixas umbenannt werden, denn die Europäische Union, welcher Spanien zwei Jahre zuvor beigetreten war, akzeptierte damals wie heute (und dies zu Recht) keine Ursprungsbezeichnungen, die auf dem Namen einer Sorte basieren. Heute ist die DO in fünf Subzonen unterteilt: Val do Salnés, Condado do Tea, O Rosal, Soutomaior und Ribeira do Ulla.

Der Einfluss des Atlantiks ist hier ausgeprägt spürbar, mit einem frischen maritimen Klima und reichlichen Niederschlägen. Die Böden bestehen mehrheitlich aus Granit, teilweise sind sie mit Lehm, Löss, Sand oder Kies und Geröll bedeckt, das angeschwemmt wurde oder vom sich zersetzenden, eisenhaltigen roten Schiefer an der Küste stammt. Die Böden sind arm an organischem Material, was den Weinen grosse Mineralität verleiht.

Autorisierte oder empfohlene Rebsorten

Weisse Rebsorte: Albariño, Caíño Blanco, Godello, Loureira (alias Marqués), Torrontés, Treixadura.
Rote Rebsorten: Brancellao, Caíño Tinto, Espadeiro, Loureira Tinta, Mencía, Pedral, Sousón.

DO Monterrei

Im Südwesten von Ourense nahe der portugiesischen Grenze gelegen, umfasst die (1996 eingerichtete) DO Monterrei das Valle de Monterrei und Ladera de Monterrei. Bei den Böden sind drei Haupttypen auszumachen (Schiefer, Sedimente, Granit), das Klima ist mediterran und mild mit kontinentaler Tendenz, charakterisiert von heissen, trockenen Sommern und kalten Wintern.

Autorisierte oder empfohlene Rebsorten

Weisse Rebsorten: Doña Blanca (alias Síria), Godello, Treixadura.
Rote Rebsorten: Araúxa (alias Tempranillo), Bastardo (alias Trousseau), Mencía.

DO Ribeira Sacra

Die DO Ribeira Sacra liegt in den Provinzen Lugo und Ourense, am Lauf des Sil, eines Nebenflusses des Miño. Sie ist in fünf Zonen unterteilt: Amandi, Chantada, Quiroga-Bibei, Ribeiras do Miño und Ribeiras do Sil.

Die Weinlandschaften der DO Ribeira Sacra sind spektakulär: Die terras­sierten Weinberge, die sich an die schwindelerregend steilen Hänge über dem Fluss Sil klammern, zeugen von einem wahrhaft heroischen Rebbau. Auch wenn das raue Relief zahlreiche Mikroklimata bietet, ist das Klima allgemein von kontinentalem Typ, aber mit atlantischem Einfluss, was sich in heissen Sommern, milden Herbstmonaten und oft reichlichen Niederschlägen ausdrückt.

Autorisierte oder empfohlene Rebsorten

Weisse Rebsorten: Albariño, Doña Blanca, Godello, Loureira, Torrontés, Treixadura.
Rote Rebsorten: Brancellao, Mencía, Merenzao (alias Trousseau).

DO Ribeiro

Die DO Ribeiro, im Westen der Provinz Ourense, war 1976 die erste Appel­lation Galiciens. Ihre Weine waren einst von jüdischen Händlern auf den Pilgerstrassen der Jakobswege exportiert worden. Das Klima hier ist feucht, die Temperaturen mild, die Sommer heiss.

Autorisierte und empfohlene Rebsorten

Weisse Rebsorten (85 % der Reb­fläche): Albariño, Godello, Loureiro, Macabeo, Palomino Fino, Torrontés, Treixadura.
Rote Rebsorten: Alicante (alias Alicante Bouschet), Brancellao, Caíño Tinto, Ferrón (alias Manseng Noir), Mencía, Sousón, Tempranillo.

DO Valdeorras

Die DO Valdeorras, 1977 gegründet, liegt im Nordosten der Provinz Ourense, in einem Tal, das die Flüsse Sil und Jares geformt haben. Das Klima ist hier etwas weniger feucht als im restlichen Galicien, die Sonnenscheindauer in der Sommerperiode lange.

Autorisierte und empfohlene Rebsorten

Weisse Rebsorten: Doña Branca, Godello, Palomino Fino.
Rote Rebsorten: Brancellao, Mencía, Merenzao (alias Trousseau), Tintilla (alias Garnacha Tintorera).

Abstecher nach Kastilien-León

Do Bierzo

Zwischen Galicien und der Provinz León (Kastilien-León) gelegen, bildet die Appellation Bierzo ein natürliches Amphitheater, geformt aus bis zu 2000 Metern hohen Bergen. Ihr Klima gleicht demjenigen von Galicien, ist also kontinental mit massvollen Niederschlägen und viel Sonnenschein. Aus diesem Grund behandeln wir sie ebenfalls in dieser Revue – um so mehr, als sie vom Camino Francès durchquert wird. Je nach Höhe der Reben (zwischen 500 und 800 m), ihrer Exposition und der Hangneigung, kann das Erntedatum ein- und derselben Rebsorte um vier bis fünf Wochen variieren. Die Rebberge sind grösstenteils nach dem Gobeletsystem erzogen und nicht mechanisierbar. Die Böden bestehen mehrheitlich aus Löss, Schiefer und Quarz. Die rote Rebsorte Mencía nimmt 70 % der DO Bierzo ein, weisse Hauptsorte ist der Godello.

Autorisierte und empfohlene Rebsorten

Weisse Rebsorten: Doña Branca, Godello, Palomino Fino.
Rote Rebsorten: Estaladiña (alias Trousseau), Garnacha Tintorera, Mencía.

Die wichtigsten Rebsorten Galiciens und der DO Bierzo

Mencía

Die Mencía ist eine rote Rebsorte, die wahrscheinlich aus der Region von Salamanca im Bierzo (Provinz León) im Nordwesten Spaniens stammt, wo sie heute fast 8000 ha bedeckt. Erstaun­licherweise tauchen die ersten schrift­lichen Erwähnungen der Sorte erst zu Ende des 19. Jahrhunderts auf, also nach dem Auftauchen der Phylloxera gegen 1870. Laut der Biologin María-Carmen Martínez der Misión Biológica de Galicia in Pontevedra, die sich lange mit der lokalen Ampelographie beschäftigt hat, könnte die Mencía eine sehr junge Sorte sein, entstanden vor weniger als 150 Jahren im Bierzo, aus einer natürlichen Kreuzung zwischen zwei unbekannten Rebsorten. Diese Hypothese ist allerdings nicht kompatibel mit der historischen Präsenz der Mencía in Portugal, die man kürzlich dank DNA-Test entdeckt hat. So war sie im Dão unter dem Namen Jaen bekannt, vermutlich eingeführt von Pilgern auf dem Heimweg von Santiago de Compostela. Zudem hat der DNA-Test mehrere vermutete Verwandtschaftsbeziehungen zu Cabernet Franc, Graciano oder Grenache widerlegt. Die Eltern der Mencía bleiben bis heute unbekannt.

Die Mencía ist nicht einfach zu kulti­vieren: wenig produktiv, empfindlich auf Pilzerkrankungen, mit Trieben, die im Wind leicht brechen und folglich einen kurzen Schnitt benötigen. Autorisiert ist sie in sämtlichen Appellationen Galiciens sowie im Bierzo. Die aus ihr gekelterten Weine sind in der Regel von kräftiger Farbe, aromatisch, mit Noten von Himbeeren und Brombeeren, recht hohem Alkoholgehalt und Tanninen, die je nach Ertrag rustikal oder seidig sind.

Vieilles vignes de Mencia
Trotz der Empfindlichkeit der Sorte hat dieser knorrige Mencia-Weinstock ein schönes Alter erreicht.

Albariño

Der Albariño ist eine alte weisse
Rebsorte aus der Region, die das spanische Galicien und Nordostportugal umfasst (dort Alvarinho genannt). Seine Eltern sind unbekannt, doch hat ein DNA-Test gezeigt, dass eine natürliche Kreuzung mit dem Amaral des Vinho Verde im Norden Portugals den Caíño Blanco hervorgebracht hat, der in derselben Region verbreitet ist wie der Albariño. Möglicherweise hat er auch eine Verbindung zum Loureiro.

Die robuste, fruchtbare Rebsorte Albariño ist sensibel auf Pilzkrankheiten, vor allem in den feuchteren Küstenregionen. Sie bedeckt eine Fläche von fast 5500 ha in Galicien, vor allem in der DO Rías Baixas. Die aus ihr gekelterten Weine sind sehr aromatisch und getragen von einer erfrischenden Säure und mit salzigem Finale, wie es die Walliser Arvine aufweist.

Anekdote

Eine Verwechslung der Etiketten in der Sammlung der Misión Biológica de Galicia hat in Spanien zu Konfusion zwischen Albariño und Savagnin Blanc aus dem Jura geführt. So dürfte Letzterer in gewissen Weibergen noch immer recht präsent sein, obwohl die Winzer glauben, Albariño zu kultivieren. Dieser Irrtum wurde übrigens auch nach Australien exportiert: 2009 konnte man mittels ampelographischen Beobachtungen und DNA-Tests feststellen, dass die grosse Mehrheit der 150 ha Albariño in Australien in Tat und Wahrheit mit Savagnin Blanc bestockt sind, denn die ursprünglichen Stecklinge stammten aus der Kol­lektion, in der die Etiketten falsch beschriftet worden waren !

Garnacha Tintorera

Trotz ihres Namens, der zu Verwirrung Anlass gibt, hat die Garnacha Tintorera nichts mit der spanischen Garnacha Tinta zu tun, die in Frankreich Grenache heisst, denn es handelt sich bei ihr in Tat und Wahrheit um die rote Rebsorte Alicante Henri Bouschet. Oft einfach Alicante Bouschet genannt, ist sie eine gezielte Kreuzung aus Grenache und Petit Bouschet, gezüchtet von Henri Bouchet im Hérault im Jahr 1855. Sie gilt als « Färbersorte », da ihr Fruchtfleisch sehr farbkräftig ist – eine Seltenheit. Die Sorte ist frühreif und fürchtet den Frost, ist aber auch sehr produktiv, was ihre grosse Popularität nach der Phylloxera-Epidemie zu Ende des 19. Jahrhunderts erklärt. In Spanien sind 18 320 ha mit ihr bestockt ; sie liegen hauptsächlich in den Regionen Kastilien-La Mancha und in Galicien, wo die Garnacha Tintorera oft als Farbverstärker in Assemblagen eingesetzt wird. Werden ihre Erträge gezügelt, können die Weine aus Garnacha Tintorera mit Farbe, Frucht und feinen Tanninen beeindrucken.

Godello

Der Godello ist eine Weissweinsorte aus dem Nordwesten der iberischen Halbinsel, in Portugal auch bekannt unter dem Namen Gouveio. Sein Ursprung liegt vermutlich an den Ufern des Flusses Sil in Galicien. Produktiver als der Albariño, liebt er trockene Terrains. In den 1970er Jahren wäre der Godello fast ausgestorben, doch ein Rettungsprogramm hat dieser Qualitätssorte in Galicien zu neuem Aufschwung verholfen, vor allem in der DO Valdeorras. Er belegt heute etwas mehr als 1000 ha auf der ganzen ibe­rischen Halbinsel. Die aus Godello gekelterten Weine sind elegant und aromatisch, zudem zeichnen sie das Terroir sehr gut nach, so wie der Chasselas in der Schweiz.

 

Sousón

In Portugal auch unter dem Namen Vinhão bekannt, bedeckt die rote Sorte Sousón im Nordwesten der iberischen Halbinsel gegen 3200 ha. Sie soll aus Minho in Portugal stammen. DNA-Untersuchungen legen eine Verwandtschaft mit dem Amaral aus der Region des portugiesischen Vinho Verde nahe. In Spanien findet man den spät reifenden und wenig produktiven Sousón hauptsächlich in Galicien, wo er sehr dunkle, fruchtige (Kirschen) und säurereiche Weine ergibt, vor allem in den DO Rías Baixas, Ribeiro und Valdeorras.

Loureira

Die Loureira ist eine weisse Rebsorte aus dem Vale do Lima in der Region Vinho Verde in Portugal, wo sie Loureiro heisst, was « Lorbeer » bedeutet und auf den Geschmack ihrer Beeren und Weine anspielt. Die Loureira bedeckt auf der iberischen Halbinsel 4000 ha. Ihre Weine sind frisch, geprägt von Lorbeeraromen, aber auch von Orangen- und Akaziennoten. In Spanien wird die Loureira ausschliesslich in Galicien kultiviert (DO Rías Baixas, Ribeira Sacra und Ribeiro), wo sie häufig mit Albariño, Treixadura oder Godello assembliert wird.

 

Bastardo

Grappe de Bastardo
Bastardo.

Hinter diesem nicht gerade klangvollen Namen (deutsch: « Bastard ») verbirgt sich die jurassische Rotweinsorte Trousseau, die weltweit auf 3400 ha kultiviert wird: Die Hälfte dieser Fläche liegt verblüffenderweise in Spanien. Man findet sie unter diversen Namen in Galicien (Bastardo, Carnaz, Godello Tinto, María Ordoña), in Kastilien-Léon (Estaladiña, Merenzao) und anderen Regionen Spaniens und Portugals, was rätselhaft ist. Tatsächlich findet sich keine schriftliche Spur zu ihrer Einführung auf der iberischen Halbinsel, doch ihre grosse und lang zurückliegende Verbreitung zeigt, dass sie vor Jahrhunderten stattgefunden haben muss. Der Trousseau ist aber ohne jeden Zweifel französischen Ursprungs, ist er doch ein natürliches Kind des Savagnin aus dem Jura sowie ein Bruder des Chenin Blanc sowie des Sauvignon Blanc der Loire.

Der Bastardo aus Galicien (oder Merenzao aus dem Bierzo) verlangt nach gut drainierenden Böden und besten Lagen, um zur Reife zu gelangen. Dann ergibt er robuste, farbkräftige Weine mit Aromen von roten Früchten.

Pedral

Wahrscheinlich aus dem Minho in der Region Vinho Verde in Portugal stammend, ist der Pedral eine höchst rare und spät reifende Rotweinsorte. In Portugal werden nur noch 5 ha kultiviert, in Galicien und Nordwestspanien, besonders in der DO Rías Baixas, sind es 79 ha.

Brancellao

In Portugal, wo sie zweifellos ihren Ursprung hat (im Douro oder Dão), Alvarelhão genannt, war diese Rotweinsorte in den 1970er Jahren in Mode, hat danach aber an Bekanntheit eingebüsst. Heute sind noch magere 45 ha in Portugal und 14 ha im spanischen Galicien mit ihr bestockt. Das ist zu bedauern, weist doch der Brancellao ein sehr grosses qualitatives Potential auf, vorausgesetzt, seine Erträge sind schwach und er wächst in geeigneten Lagen, etwa auf den steilen Terrassen der Ribeira Sacra oder auf den roten Schieferböden der Rías Baixas. Die aus ihm gekelterten Weine weisen wenig Alkohol auf und besitzen eine delikate Aromatik.

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