Anita und Rudolf Schwarzböck: ungeschminkte Weine aus dem Weinviertel

Anita und Rudolf Schwarzböck spielten bei DIVO die Rolle der österreichischen Vorhut. Bereits 2005 präsentierte der Club nämlich das damals blutjunge Paar und seine Weine als Novum im Sortiment und führte damit erstmals österreichischen Wein in die Schweiz ein. Mit beträchtlichem Erfolg, zumindest in der Deutschschweiz, wo gerade auch Gastronomen das exzellente Preis-Qualitätsverhältnis der Schwarzböck-Weine zu schätzen wissen. In Österreich gelten die beiden als beispielhaft für den qualitativen Aufschwung des Weinviertels.

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Die Schwarzböcks – ihr Symbol ist ein schwarzer Hirschbock, der optimistisch und dynamisch vorwärts springt, dabei aber Vergangenheit und Tradition nicht aus den Augen lässt – leben im Örtchen Hagenbrunn, einem Dorf rund zwanzig Autominuten von Wien entfernt, im äussersten Süden des Weinviertels. Direkt an der Hauptstrasse haben sie sich ein neues Weingut gebaut, mit funktionalen, geräumigen Kellerräumen und einer lichtdurchfluteten Vinothek, wo man die Weine nicht nur kaufen, sondern natürlich auch probieren kann. Nebst Naschereien wie einer eigens hergestellten Linie von Weinschokoladen, die über ein nicht zu unterschätzendes Suchtpotential verfügen…

Ein Mosaik verschiedener Rebparzellen

Die zierliche Anita empfängt uns herzlich und führt uns durch Haus und Keller. Obwohl längst Mutter von zwei Schulkindern, wirkt sie immer noch sehr mädchenhaft und ist anfangs von charmanter Schüchternheit. Vor einer grossen Karte zeigt sie uns, wo die Reben der Familie überall liegen. Eine komplizierte Angelegenheit, denn die insgesamt 23 Hektar verteilen sich auf nicht weniger als 50, teilweise weit herum verstreute Parzellen – eine logistische Herausforderung! «Wir sind genau auf der Schnittstelle der beiden Weinbauregionen Niederösterreich und Wien», erklärt Anita, «und auch auf der Schnittstelle von pannonischen und kontinentalen Klimaeinflüssen. Die Hauptlagen unseres Gutes befinden sich hier in Hagenbrunn, an der Grenze zu Wien, und auf der Wiener Seite des Bisambergs. Dazu kommen weitere Parzellen 60 Kilometer nördlich von Wien, an der Grenze zu Tschechien.» Letztere hat Anita, gelernte Marketing- und Werbefachfrau, in die Ehe und den Betrieb eingebracht.

Die Fülle verschiedener Lagen hat ein riesiges Portfolio zur Folge – und Anita hat uns im über der Vinothek liegenden Degustationsraum eine umfassende Verkostung vorbereitet. Auf den Punkt gebracht: Die Schwarzböcks wollen ungeschminkte, authentische und nicht überladene Weine produzieren, deren gemeinsamer Nenner die Trinkfreundlichkeit ist. Unterteilt ist das (etwas gar) grosse Sortiment in drei Linien: die unkomplizierten Einsteigerweine in der Linie «leicht und lebhaft», die eleganten, gebietstypischen «Klassiker vom Bisamberg» und schliesslich die ausdrucksstarken, lagerfähigen Premium-Weine. Unangefochtene Stars sind hier natürlich der Grüne Veltliner und, bei den Rotweinen, der Zweigelt. Bei den Weissen gefällt uns etwa der Grüne Veltliner Vier Gärten 2016, ein frisch-fruchtiger, unkomplizierter «Einsteigerwein», oder, wie Anita lachend meint, «eine Einstiegsdroge, die wegen ihrer knackigen Frische bei Weinbeissern sehr beliebt ist». Elegant dann der Grüne Veltliner Reserve Ried Aichleiten 2016, zur Hälfte im grossen Holzfuder, zur Hälfte im Stahltank ausgebaut. Er besticht mit dem typischen «weissen Pfefferl» und verführerisch traubigen Noten in der Nase, im Gaumen zeigt er mineralische Spannung, leichtfüssige Anmut, feingliedrige Struktur und ausdrucksvolle Länge. «2016 war ein sehr klassischer Jahrgang, so wie wir Winzer ihn lieben», erklärt Anita Schwarzböck.

So strahlend wie die Weissen zeigen sich auch die Roten: Der Zweigelt, das rote Paradepferd der Österreicher und bei den Schwarzböcks in diversen Terroirversionen vinifiziert, ergibt fleischige, sehr fruchtige, gehaltvolle Weine mit präsenten, aber geschmeidigen Tanninen – ausgesprochen gefällige und süffige Weine des Vergnügens, denen es aber keineswegs an Tiefgang mangelt, die auch vorteilhaft zu altern vermögen und sich als vielseitig einsetzbare Essensbegleiter empfehlen, wie etwa die Zweigelt Reserve von der Stammersdorfer Ried Proschen 2015. «Zweifellos einer der besten je vinifizierten Zweigelt aus dem Hause Schwarzböck», wie Walter Zambelli begeistert meint.

Anita et Rudolf Schwarzböck.
Anita und Rudolf Schwarzböck.

 

Wien und die Tradition des Heurigen

Stolze 637 Hektar Reben zählt Wien – und ist damit die einzige Grossstadt der Welt, die innerhalb ihrer Grenzen ein ernst zu nehmendes Rebgebiet besitzt. Weinbau wurde bereits im keltischen Venia und später im römischen Vindobona betrieben. Ein Teil der Reben wächst in den Vororten am Stadtrand, am rechten Donauufer, an den Hängen des Leopolds-, des Kahlen- und des Nussbergs (hier findet man auch die traditionellen Heurigenorte wie Nussdorf, Grinzing oder Sievering), sowie auf der anderen Seite der Donau, am berühmten Bisamberg, der sich besonders gut für Burgunder Sorten, Riesling und Rotweine eignet. Traditionell wird hier «gemischter Satz» angebaut, also verschiedene Rebsorten durcheinander, die zu einfachen Zechweinen gekeltert werden.
Eine Wiener Institution ist der Heurige, entweder ein touristisch geprägtes, durchgehend geöffnetes Schanklokal oder eine nur wenige Wochen im Jahr betriebene Buschenschank, die den «heurigen» Wein ausschenkt und oft von Winzerfamilien auf ihren Gütern betrieben wird. Zu erkennen sind die Lokale meistens an über den Türen aufgehängten frischen Föhrenzweigen.

Anita Schwarzböcks Tipps

Restaurants
Tuttendörfl
Tuttendörfl 6
2100 Korneuburg
www.tuttendoerfl.com

Wirtshaus Goldenes Bründl
Waldstrasse 125
2105 Oberrohrbach
www.goldenesbruendl.at

Heuriger Heilig
Stammersdorferstrasse 11
2102 Hagenbrunn
www.heuriger-heilig.at

Mineralisch geprägte Weine

Zum Abschluss der Degustation öffnet Anita Schwarzböck einen erfrischenden Riesling Sekt Brut – und mit dem Plopp des Korkens taucht wie durch Zauberhand Rudi Schwarzböck auf. «Bei uns hat bereits die Weinlese begonnen», entschuldigt sich der vielbeschäftigte Mann, der auch als Politiker in die Fussstapfen seines Vaters zu treten scheint; momentan amtet er als Vizebürgermeister von Hagenbrunn. Doch jetzt will er uns unbedingt noch ein paar seiner Reblagen zeigen, bevor es dunkel wird. «Wir arbeiten im Rebberg konventionell, aber so naturnah und nachhaltig wie möglich», erklärt er. Die grosse Vielfalt der Böden ermöglicht es den Winzern, mit den Terroirs zu spielen. «Rund um den Bisamberg, also auch in Hagenbrunn, dominiert Flysch, ein Gestein, das zum Rutschen neigt und in Schichten angelegt ist, zwischen denen sich Tonmergelsedimente befinden.»


Der Flysch verleiht den Weinen ihre unverkennbare Mineralität. «In tieferen Lagen des Bisambergs überwiegt Löss», also eiszeitlicher Flugsand, der sich auf dem Kalkschotter des Urzeitmeers abgelagert hat. Ganz anders dagegen die Weingärten in Stützenhofen, Anitas Heimat, an der Grenze zu Tschechien. Dort ist das Klima deutlich kühler und rauer als am Bisamberg, die Böden tiefgründiger. «Und damit erhalten die Weine eine völlig andere Stilistik. Dort wollen wir künftig auch Chardonnay und Pinot Noir anbauen für die Schaum­weinbereitung.» Auf das Resultat darf man sich freuen. Immerhin sind Anita und Rudolf bekennende Champagnerfans…

In der lichtdurchfluteten Vinothek  der Schwarzböcks kann man ihre Weine nicht nur degustieren, sondern natürlich auch kaufen.
In der lichtdurchfluteten Vinothek der Schwarzböcks kann man ihre Weine nicht nur degustieren, sondern natürlich auch kaufen.

 

Zweigelt

Der Zweigelt ist eine gezielte Kreuzung zwischen Blaufränkisch und Sankt Laurent, gezüchtet an der Höheren Bundeslehranstalt von Klosterneuburg bei Wien in Österreich im Jahr 1922. Der Name der Sorte ist eine Reverenz an ihren Züchter Fritz Zweigelt. Die Sorte ist eher frühreif, sensibel auf Echten Mehltau und sehr produktiv, was einen angepassten Rebschnitt und grüne Lese verlangt, wenn man qualitativ hochstehende Trauben lesen will. Ihre Grosszügigkeit hat aus ihr die am meisten angepflanzte Rotweinsorte Österreichs gemacht, zulasten ihrer historischen Eltern, vor allem in Niederösterreich. Die aus Zweigelt gekelterten Weine bieten überschwängliche Noten von Weichseln, seine imposanten Tannine sorgen dafür, dass ihm ein Aufenthalt in Barriques bestens bekommt.

— Dr José Vouillamoz

Im Weinviertel – dort, wo das «Pfefferl» wächst

Das Weinviertel, das mit 13 858 Hektar grösste Weinbaugebiet Österreichs, zählt zu Niederösterreich und erstreckt sich von der Donau im Süden bis zur tschechischen Grenze im Norden, vom Manhartsberg im Westen bis zur slowakischen Grenze im Osten. Das weite, offene Land mit seinen sanften Rebhügeln und wogenden Kornfeldern steht ganz im Zeichen des Grünen Veltliners. Das Weinviertel war 2002 die erste Weinregion des Landes, die eine kontrollierte Herkunftsbezeichnung einführte: die Weinviertel DAC (Districtus Austriae Controllatus). Damit wurde das Weinviertel zum Vorreiter des neuen österreichischen Weinmarketings, das ganz auf das (von Frankreich inspirierte) System der Herkunft setzt. Anrecht auf diese Herkunftsbezeichnung haben ausschliesslich qualitativ hochstehende, gebietstypische Weine der Sorte Grüner Veltliner, die im Weinviertel ausnehmend «pfeffrige» Tropfen mit fruchtigem Bouquet und erfrischender Säure ergeben. Die Starsorte bedeckt mit rund 8500 Hektar deutlich mehr als die Hälfte der Fläche.

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